Pfarrkirche Aichkirchen
Patrozinium: Mariae Aufnahme in den Himmel (15. August)
Baugeschichte
Der Bau einer ersten Pfarrkirche ist weit vor 1500 anzusetzen. Darauf deuten mehrere Indizien hin. Der Westgiebel hatte typisch gotische Elemente wie Krabben und Kreuzblumen, wurde aber im Jahre 1820 zerstört und umgebaut. Gleichfalls der Kirchturm, der wegen seiner Ausmaße sicher auch als Wehrturm gedient hat, zeigt charakteristische, gotische Merkmale.
Das gotische Kirchenschiff (13 m x 8 m) war im Vergleich zum mächtigen Turm (6,5 m x 7 m) verhältnismäßig klein. Es schloß sich nach Westen hin dem Turm an, in dem der Altarraum untergebracht war. Heute dient er als Sakristei in der sich ein Rippenkreuzgewölbe auf einfachen Profilkonsolen mit breiten, spitzen Schildbögen befindet. Gleichfalls aus dem gotischen Gotteshaus stammt das Halbrelief des Hauptes Christi (15. Jahrh., Durchmesser 40 cm), das über dem Haupteingang der jetzigen Kirche eingelassen ist. 1820 dürfte die Kirche nach Westen erweitert worden sein.
Am 8. März 1878, einem Freitag, brach das erste Brandunglück über die Kirche herein. Das Feuer durch Blitzschlag entfacht fand in dem Holzgebälk und in den Holzschindeln des Turmes und der Kirche ein gefundenes Fressen. Auch die drei neuen Glocken, die Ignatius v. Senestry, Bischof von Regensburg, erst vor nicht ganz vier Monaten am 21.11.1877 geweiht hatte, wurden ein Raub der Flammen.
Während des Kirchenbaus wurden die Gottesdienste und das Patroziniumfest Maria Himmelfahrt in einer “Schupfe” abgehalten. Aus Sicherheitsgründen wurde wegen der Rauchfaßglut die Kräuterweihe außerhalb der Schupfe vorgenommen, die Beichtgelegenheit ins Pfarrhaus und die Christenlehre in Lenzbauers Scheune verlegt.
Einmalig dürfte das Schicksal der Aichkirchner Kirche sein; denn sie wurde innerhalb von 18 Monaten zum zweiten Male bei einem nächtlichen Gewitter am Sonntag, dem 31. August 1879, vom Blitz getroffen. “Es fuhr ein wahres Feuerwerk vom Himmel nieder, es war genauso wie am 8. März 1878 vorher,” berichtete Lehrer Möderich. Da die Ausrüstungen zur Feuerbekämpfung damals unzureichend und für einen solchen Brand ungeeignet waren, mußten die Feuerwehrleute mit der Feuerbekämpfung warten, bis der Turm auf Löschhöhe heruntergebrannt war.
Unter der Leitung des Pfarrkurats und späteren Pfarrers Johann Bapt. Adlhoch, begann die Gemeinde mit dem Wiederaufbau, aber nicht mehr an der alten Stelle, sondern um die ganze Turmbreite nach Süden versetzt. An der Turmsüdseite wurde der Altarraum und anschließend nach Westen hin das Kirchenschiff angegliedert, so daß der Turm auf der Nordseite zu stehen kam, und der frühere Altarraum zur Sakristei umfunktioniert wurde.
Mit einer Länge von 28 m, einer Breite von fast 12 m und einer Turmhöhe von 36 m wurde sie eine vergleichsweise große Kirche . Kurat Adlhoch konnte bereits ab dem 19. Oktober 1879 in der neuen Kirche Gottesdienst feiern. Auch die übliche Sonntagsprozession durch den Friedhof um die Kirche konnte wieder abgehalten werden. 1884 waren die Kirchenausgestaltung abgeschlossen. Diözesanbischof Ignatius hat dann am 21. April 1894 die feierliche Konsekration vorgenommen.
Die Kriegsjahre gingen auch an der Pfarrkirche nicht vorbei. Während des Krieges holte die NS-Regierung 1943 die drei großen Glocken vom Turm und ließ nur das kleine Ave-Glöcklein hängen. Sie landeten auf dem riesigen “Glockenfriedhof” in Hamburg. Man kaufte drei neue Glocken, die im Oktober 1949 aufgezogen wurden. 1960 erfolgte eine Kirchenrenovierung. Die alte, traditionelle Einrichtung im neugotischen Stil war nicht mehr zeitgemäß. Pfarrer Georg Schirm begann , in einem gewissen Übereifer, die Kirche zu “entrümpeln”, wie er es selbst bezeichnete.
Diese Renovierung brachte eine gänzliche Übertünchung oder Beseitigung aller Wand- und Deckenbemalungen. Übrig geblieben sind nur die vier Medaillons der vier Evangelisten an der Chorraumdecke. Die beiden Buntfenster in der Apsis wurden durch neue weiße Wabenfenster ersetzt; die Reste der alten Glasbilder der Heiligen Aloisius, Wendelin, Florian, Walburga integrierte man in die neuen Fenster des Kirchenschiffs.
Der Kanzelbaldachin, der ganze untere Sockelabschluß und die beiden Seitenaltäre wurden außer dem Tabernakel und dem Altartisch abgebrochen und zerstört. Übrig blieb nur der eigentliche Kanzelkorb, der nur von außen einen Zugang hat.
Die großen Figuren zu beiden Seiten des Hauptaltars, die Georg und Katharina Kohlmeier aus Lautersee, im Jahre 1880 der neuen Kirche gestiftet hatten, wurden im Schulhaus zwischengelagert. Heute steht die Herz-Mariä-Statue, die immer noch im Besitzrecht der Kirche liegt, in der Kapelle von Bügerl; niemand im Dorf jedoch kann über das Schicksal der Herz-Jesu-Statue Auskunft geben. Die Kreuzwegtafeln sowie den Strahlenkranz der Madonna lagerte man auf dem Kirchenboden. Die Skulptur selbst fand ihren neuen Platz an der linken Kirchenschiffseite.
Das zweite Vatikanische Konzil (1962/65) brachte notwendige Reformen: Der wertvolle alte gotische Taufstein wurde nach vorne gerückt und erinnert mit seinem neugotischen Deckelaufsatz an die ehemals vorhandene neugotische Ausstattung. Leider sind nicht mehr sehr viele Reste der ursprünglichen Ausstattung vorhanden. Es wird Aufgabe einer neuerlichen kompletten Innenrenovierung sein, die noch vorhandenen Reste sinnvoll in die jetzt vorhandene Rumpfausstattung zu integrieren, damit die großen finanziellen Anstrengungen der Pfarrgemeinde über die Jahrhunderte hinweg wieder gewürdigt werden können.
Etwa zwanzig Jahre später unterzog man die Kirche einer neuen Renovierung. Das Mauerwerk wurde trockengelegt, der alte Mauerputz abgeschlagen und neuer Putz angebracht. Das Schieferdach, das dem Turm eine besonders Schönheit gab, war nicht mehr brauchbar und mußte abgeräumt werden. Der neu holzverschalte Turm wurde im Jahre 1983 mit Kupferblech eingedeckt.
Das drei Meter hohe, einfache Turmkreuz aus der Nachkriegszeit wurde abmontiert, überholt und wie die Kugel unter Verwendung von Spendengeldern neu vergoldet. Teile des Verputzes im Kircheninneren mußten wegen des undichten Daches erneuert werden. Bei dieser umfassenden Renovierung versuchte man in zunehmendem Maße die Kirche wieder mit Sakralgegenständen der 1880er Kirche auszustatten, soweit noch welche vorhanden waren. Bereits 1970 wollte Geistlicher Rat Mayer zwei der vier vorhandenen, neu vergoldeten Reliquienmonstranzen in den Hochaltar integriert wissen.
Der neugotische Strahlenkranz wurde an die alte Stelle über dem Apsisbogen verbracht und mit einer anderen Madonna, die früher im Pfarrhof aufbewahrt wurde und nur einmal im Jahr auf dem Maialtar ihren Platz gefunden hatte versehen. Ebenso kehrten die alten Kreuzwegtafeln der früheren Einrichtung nach teilweise schwieriger und gründlicher Restaurierung zurück. Ihren Abschluß fand die Kirchenrenovierung 1984 mit der Weihe des neuen Volksaltars und des Ambos.
Mit meinem Amtsantritt in Aichkirchen als Pfarradministrator begann eine neuerliche „Renovierungsrunde“. Sowohl Apsis, wie Dach, Fassade und Raumschale bedurften einer dringenden Renovierung. Die Apsis drohte sich vom Langhaus zu trennen und war Einsturz gefährdet. Der bayrische Staat als Besitzer wurde herangezogen und so begann die wohl ausführlichste Renovierungsmassnahme seit Bestehen der Kirche. Man versuchte die Kirche wieder in seinen alten Stand zu versetzen. Dabei war es aber niemals gewünscht historisierend in den Bestand einzugreifen und etwas zu verwirklichen, was durch die Massnahmen der 60er Jahre endgültig verschwunden war. So entschied man sich in Zusammenarbeit mit dem Denkmalschutz für eine gemäßigte Rückführung in den Stil des 19. Jahrhunderts. Bestand sollte soweit möglich rückgeführt werden und der Raumschale eine konkrete Farbigkeit zurückzugeben.
In Zusammenarbeit mit der Fa. Fromm aus Parsberg ist dies auch hervorragend gelungen. Die Farbigkeit der Raumschale ist wieder vorhanden. Durch die nun noch anstehenden Renovierungsmassnahmen an der Ausstattung (vor allem des Hochaltares und des Volksaltares) erfolgt nun noch eine Angleichung an die bereits durchgeführte Rückführung der Farbigkeit der Empore. Dies soll alles noch im Jahre 2009 durchgeführt werden.
Pfarrheim Mariä Himmelfahrt Aichkirchen
Eine der ersten Bitten der damaligen Kirchenverwaltung mit dem Kirchenpfleger Anton Landfried war die Instandsetzung des damaligen Pfarrhauses. Man war sich schon seit längerem einig, dass einige Anstrengungen unternommen werden mussten, damit die Pfarrei wieder geeignete Räumlichkeiten für ihre kirchlichen Bedürfnisse hatte, sei es um dort die Sitzungen abzuhalten, sei es um den kirchlichen Gruppen eine Unterkunft bieten zu können. Denn diese kamen schon seit längerer Zeit nicht mehr in dem Haus zusammen, sondern trafen sich eher in den Gasthäusern des Dorfes. Der Grund für den langsamen Exodus der Pfarrgruppen war sehr einfach: Das Haus war seit mehreren Jahren unbewohnt und seit dem Wegzug des letzten aktiven Geistlichen wurde stets nur noch das Nötigste an der Substanz des Pfarrhauses gerichtet. Das Haus war im 19. Jahrhundert errichtet worden und bestand vornehmlich aus Bruchsteinen, die die Feuchtigkeit ungehindert in das Haus ließ. Der Verputz war abgeplatzt, das Dach undicht, Schimmel war in allen Räumen des Hauses zu finden und die Räume waren aus diesen Gründen durchweg feucht, stickig und sowohl im Sommer, wie im Winter eiskalt. Für die Gruppen der Pfarrei gab es keine richtigen Räumlichkeiten zur Zusammenkunft. Bastelarbeiten zum Beispiel aus Papier konnten nicht liegen gelassen werden, da sie feucht wurden und so plante man eine Innensanierung mit Erweiterung der Räume durch Entfernung einiger nichttragender Mauern und zugleich auch eine entsprechende Entfeuchtung der Räumlichkeiten. Dazu mussten auch neue dichte Fenster eingeplant werden und entsprechende Maßnahmen für ein neues Treppenhaus und entsprechende Möglichkeiten für Toiletten. Die Kosten schossen entsprechend in astronomische Höhen. (Sie waren am Ende der Planungen fast doppelt so hoch, wie die Kosten für das heutige neue Pfarrheim). Die Anmeldung im Bauausschuss der Diözese führte zunächst zur Ablehnung des Antrags und der gleichzeitigen Forderung das Haus zu verkaufen. Eine Renovierung wurde alleine schon aus wirtschaftlichen Gründen nicht genehmigt. Man war sich in der Kirchenverwaltung einig, dass diese Forderung für die Pfarrei nicht sinnvoll sei, da man sonst keine Möglichkeit mehr hätte Sitzungen und kirchliche Gruppenarbeit zu ermöglichen. Ein Ausweichen in die beiden noch bestehenden Gasthäuser war eben nur eine Notlösung. Längerfristig musste eine andere Lösung gefunden werden.
In meinen vielen Gesprächen und Sitzungen mit den Verantwortlichen der Diözese schlug letztlich der Bauausschuss als einzige Alternative zum Verkauf den Abriss des alten Pfarrhauses und den Neubau eines Pfarrheimes vor. Dieser Vorschlag wurde in mehreren Sitzungen eingehend besprochen und vor allem von der noch amtierenden Kirchenverwaltung und dem noch amtierenden Pfarrgemeinderat unter der damaligen Vorsitzenden Anni Obermeyer einstimmig angenommen und man machte sich auf die Suche nach einem Architekten. In Peter Hanshans aus Lappersdorf, der bereits die Renovierung des Pfarrhauses und der Pfarrkirche in Hohenschambach betreut hatte, fand man einen Architekten, der behutsam das neue Haus plante und in die Häuserlandschaft um die Pfarrkirche einfügte. Dachneigung und Größe des Hauses sollte sich am alten Pfarrhaus und an den Häusern in der Umgebung orientieren. Auch sollte der Platz vor dem neuen Pfarrheim entsprechend gestaltet und verbreitert werden, da zum Beispiel im Winter die Müllfahrzeuge Schwierigkeiten bei der Durchfahrt durch die enge Straße hatte. Deshalb verhandelte man mit der Stadt Hemau mit ihrem Bürgermeister Hans Pollinger über die Möglichkeiten der Verbreiterung der Straße und einiger Grundstückgrenzen. Dabei erwies sich die Stadt als ein wichtiger und guter Verhandlungspartner, der der Pfarrei mit ihren Wünschen entgegen kam. So plante man also das Pfarrheim in den alten Pfarrhausgarten hinein um vor dem Haus genügend Stellfläche für behinderte motorisierte Besucher zu gewinnen. Eine zweite Idee sollte auch vermittelt werden. Die Einheit von Pfarrkirche, Friedhof und Pfarrheim. Deshalb versuchten die Beteiligten in einer gelblichen Farbgebung des Hauses, dass sich harmonisch in die „kirchliche“ Umgebung einfügt, zu finden. Die Vorgaben der Diözese für das neue Pfarrheim waren eindeutig. Das Raumprogamm durfte nicht verändert werden. Für den Architekten war dies keine ganz leichte Aufgabe. Denn das Pfarrheim steht zusammen mit Pfarrkirche, Leichenhaus und Friedhof im Ortszentrum. Und so sollte es ein eigenständiges modernes Haus werden, dem man seine Funktion ansieht, dass sich aber doch soweit zurücknimmt um nicht als vollständiger Fremdkörper wahrgenommen zu werden. Die Wünsche der kirchlichen Vereine nach genügend Raum für kirchliche Veranstaltungen und für die kirchlichen Gruppierungen sollten ausreichend Berücksichtigung finden. Ein großer Raum für kirchliche „Großveranstaltungen“ wie Vorträge und ähnliches, aber auch ein kleinerer Gruppenraum im ersten Stock, ein Raum für das Pfarrarchiv, eine Küche, sowie behindertengerechte Toiletten waren ja bereits die Vorgaben der Diözese. All diese Forderungen erfüllte der Architekt in Zusammenarbeit mit einheimischen Handwerksbetrieben in hervorragender Weise.
Im Herbst 2006 wurde das alte Haus abgerissen und auf Grund des guten Wetters noch vor Weihnachten als Rohbau fertig gestellt. Im Frühjahr 2007 wurde weitergebaut und im Herbst 2007 war das Haus soweit fertig, dass man an die Inneneinrichtung des neuen Gebäudes gehen konnte.
Vor Weihnachten konnten die ersten Gruppen das Haus beziehen und ihre Sitzungen und Zusammenkünfte dort abhalten. Die Zeit dass der Frauenchor, bei der Chorleiterin zuhause im Wohnzimmer übt war vorbei. Auch der Kinderchor, die Minis und die KLJB haben nun ein neues Zuhause gefunden.
Die Einweihung des neuen Pfarrheimes fand am 15. Juni 2008 durch den bischöfliche Finanzdirektor Prälat Robert Hüttner statt. Gleichzeitig konnten sich die Pfarrangehörigen und die Besucher beim Tag der offenen Tür von der hohen Qualität des Baues überzeugen. Den vielen Handwerksbetrieben aus dem eigenen Dorf, aber auch aus der Umgebung darf man zu diesem großartigen Bau gratulieren. Es ist ein Haus der Pfarrei für die Pfarrei geworden, in dem sich alle wohlfühlen können.




