Wer sich bis hierher durch meine Website durchgekämpft hat, der weiß ja bereits, dass ich ein “Ehemaliger Regensburger Domspatz” bin. Daher möchte ich ihnen etwas mehr aus meiner Zeit als Domspatz berichten und auch über die Domspatzen selbst. Ich bin stolz darauf ein Schüler des hochverehrten Domkapellmeisters em. Apostolischer Protonotar Georg Ratzinger, des Bruders von Papst Benedikt XVI. zu sein. Im Januar 2009 wurde er mit Ehrungen anläßlich seines 85. Geburtstages überhäuft. Ich wünsche Ihm von Herzen alles Gute, Gottes Segen und vor allem Gesundheit.
In meiner Erinnerung an die Domspatzen finden sich viele schöne und sicher auch sehr viele anstrengende Momente wieder. Ob es nun der regelmäßige sonntägliche Domdienst war (auch in den Ferien) die sich ständig wiederholenden kirchlichen Feiern, die ja auch in den Ferien stattfanden, oder ob es das Musikgymnasium mit seinen ganz besonderen Lehrern war. Mitunter fühlte man sich wie in Herinrich Spoerls “Feuerzangenbowle”! Und mancher Lehrer konnte es durchaus in seiner besonderen Eigenart mit den Lehrern des Schüler Pfeiffers aufnehmen. Jedenfalls habe ich bei diesen Lehrern einiges gelernt und damit meine ich nicht nur das Schulfachwissen, sondern darüber hinaus auch eine ganze Menge an Allgemeinwissen, das meines Erachtens heute mehr denn je unseren Schülern abhanden kommt. Wahrscheinlich liegt das auch daran, dass mit dem Internet zwar einerseits eine ganze Menge Wissen für alle greifbar geworden ist, aber andererseits die Schüler kaum mehr etwas suchen und womöglich abschreiben müssen, da ja ein Druck auf diverse Tasten genügt alles für sich zu Hause verfügbar zu haben. Darüber hinaus ist das Lesen ja nicht mehr unbedingt eine Paradedisziplin in den Schulen.
Vielleicht klinge ich ein wenig altertümlich, aber ich habe das Lesen gerade in unserer Schule sehr schätzen und lieben gelernt. So glaube ich, dass unseren Schülern mehr Mut gemacht werden muss wieder einmal zu einem “verstaubten” Buch zu greifen.
Manchmal bin ich schon erstaunt darüber, dass Schüler nicht einmal mehr Karl May kennen. Nun gut, Karl May ist sicher nicht Jedermanns und – frau Geschmack, meiner war es bis auf wenige Werke auch nicht. Aber wer liest heute noch freiwillig Bücher des 18. oder 19. Jahrhunderts? Wer verschlingt schon freiwillig ohne besonderen Zwang Libretti verschiedenster Bühnenwerke (Musik, wie Sprechtheater)?
Die Möglichkeit Erfahrungen mit diesen Büchern zu machen war uns an der Schule gegeben. Ob dies heute auch noch so ist? Wahrscheinlich gibt es heute viele andere wesentlich wichtigere Dinge zu lesen…
Der Alltag an meiner ehemaligen Schule hat sich vom Prinzip her nicht geändert. Die Methoden wurden moderner, die Schulzimmer und die Studiersäle veränderten sich. Die Lehrer wurde jünger und nach den modernsten pädagogischen Richtlinien ausgebildet. Auch die Methoden des Chorgesangs änderten sich. Hier wie dort entspricht dies mit Sicherheit dem neuesten Stand der Wissenschaft. Was sich – Gott sei Dank – nicht änderte ist die Tatsache, dass jeder der kleinen und goßen Sänger mit unheimlicher Freude seine Stimme dem Gesamtklang eines großen und weltberühmten Knabenchores zur Verfügung stellt.
Nicht jeder kann ein perfekter Sänger sein, aber jeder kann mit großer Freude an der Entstehung eines harmonischen Gesamtklanges mitwirken. Als ich Jahre später den Chor des Priesterseminars Regensburg übernahm, erinnerte ich mich immer wieder an diese Zeit und daran, dass jeder Mensch singen kann – der eine besser, der andere schlechter. Aber erst in der Gesamtheit aller Sänger beginnt sich das zu verbreiten, was Johannes Kepler einmal als “die Harmonie des Weltalls” bezeichnete. Musik ist eine alles verbindende Macht die als ein großes Geschenk Gottes an unsere Welt angesehen werden darf.
Diese Liebe zum großen Geschenk Gottes durfte ich bei den Regensburger Domspatzen erfahren. Und dafür bin ich heute noch zutiefst dankbar.




