Die Feuerwehr der Stadt Hemau

Vom Notpfostenhäuschen zum Tanklöschfahrzeug

„Gott zur Ehr, dem Nächsten zur Wehr“ – diesem Wahlspruch folgend formierte sich am 6. Januar 1867, in Hemau ein „Freiwilliges Feuerwehr-Corps“. Bereits bei der Gründungsversammlung im damaligen Gasthof Riemhofer erklärten sich 95 Mitglieder spontan zum aktiven Feuerwehrdienst bereit. Auch die übrige Bevölkerung der Tangrintlstadt stand der Gründung des „Freiwilligen Feuerwehr-Corps“ voller Sympathie gegenüber.
Das Feuerlöschwesen besorgte bis zur offiziellen Gründung eine sog. „Bürgerwehr“, die ab dem Jahre 1831 bestand und vom Stadtmagistrat Hemau die Befugnis zur Bedienung der zwei stadteigenen „Löschmaschinen“ erhielt. 1865 kam erstmals der Wunsch in der Bevölkerung auf, den Brandschutz straffer und umfassender zu organisieren und zu diesem Zweck ein eigenes Feuerwehr-Corps ins Leben zu rufen. Bis es soweit war, vergingen zwei Jahre. Anregungen kamen von allen amtlichen Seiten, vom königl. Bezirksamt bis hin zur Königl. Bayer. Regierung, Kammer des Innern. Der erste Aufruf an die Bevölkerung von Hemau betreffs Gründung eines Feuerwehr-Corps erging von Seiten des Stadtmagistrats am 8. Oktober 1865. Das Hin und Her an Gesuchen und die Kriegswirren des Jahres 1866 verzögerten so das offizielle Gründungsdatum, bis es dann endlich 1867 soweit war. Die Wahl der „Chargierten“, so das Einladungsschreiben, fand am 8. Januar 1867, also zwei Tage nach der Gründungsversammlung im Vereinslokal des Kath. Gesellenvereins statt. 1908 erfolgte dann schließlich die Umorganisation der Freiw. Feuerwehr Hemau nach den Vorschriften des Bayer. Landesfeuerwehr-Ausschusses.

Pflichtfeuerwehr Hemau

1884 wurde in Hemau die sog. Pflichtfeuerwehr eingeführt. Generell war nach den Bestimmungen über das Feuerlöschwesen vom 28. Mai 1881 in der Gemeinde eine Pflichtfeuerwehr aufzustellen, wenn eine Freiwillige Feuerwehr nicht zustande kam oder die bestehende Freiwillige Feuerwehr allein keinen ausreichenden Feuerschutz gewährleistete. Auf Grund der distriktspolizeilichen Feuerlösch-Ordnung waren die männlichen Ortseinwohner vom vollendeten 16. bis zum vollendeten 50. Lebensjahre zum Feuerlöschdienst verpflichtet. Die Termine zur Pflichtfeuerwehrübung wurden von der Stadt Hemau festgesetzt, durchwegs an Sonntagen zwischen 12 und 1 Uhr Mittag fanden diese statt. Die Leitung der Übungen der Pflichtfeuerwehr wurde jeweils der Freiwilligen Feuerwehr übertragen. Die Pflichtfeuerwehr unterstand auch einsatz- und führungsmäßig dem Kommando der Freiw. Feuerwehr, später dann dem Leiter der Feuerschutzpolizei. Die Pflichtfeuerwehr Hemau bestand auch noch in der Zeit des „Dritten Reiches“ von 1933 bis 1945.

Die Jahre der NS-Zeit schrieben eine eigene Feuerwehrgeschichte und machten aus der Freiwilligen Feuerwehr eine sogenannte

Feuerlöschpolizei Hemau

Die machthaberischen Vorstellungen des damaligen Deutschen Reiches erforderten wegen der wachsenden Bedeutung des Feuerlöschwesens vor allem für den Luftschutz, daß schon seine friedenswillige Organisation darauf abgestellt wurde. Hierzu war nötig die Schaffung einer straff organisierten, vom Führerprinzip geleiteten, reichseinheitlich gestalteten, von geschulten Kräften geführten Polizeitruppe (Hilfspolizeitruppe) unter staatlicher Aufsicht. An Stelle einer landesrechtlich zersplitterten Einzelregelung trat damit auch auf diesem Gebiet ein einheitliches Reichsrecht, eine reichseinheitliche Organisation und die feierliche gesetzliche Proklamation jeglicher Feuerwehrorganisation als Polizeitruppe.

Nach dem 2. Weltkrieg

Mit dem Kriegsende 1945 begann ein völlig neuer Abschnitt in der Geschichte der Hemauer Freiwilligen Feuerwehr. Man mußte praktisch wieder von vorne anfangen. Uniformen gleich welcher Art, sogar die der Feuerwehr, waren verpönt. Die Zahl der einsatzfähigen Aktiven war durch die vielen Ausfälle des Krieges auf ein Minimum geschrumpft. Durch die Hilfsbereitschaft aller Feuerwehrmänner, sowie das Verständnis der Bürger und vor allem der Jugend, stand die Wehr bereits 1946 schon wieder gefestigt da. In der Generalversammlung am 10. März konnten 261 Mitglieder gezählt werden, wobei 34 davon Neuaufnahmen waren. Für den aktiven Dienst erklärten sich nicht weniger als 170 Feuerwehrler bereit.
Nun wurde wieder, wie schon immer, das Hauptaugenmerk auf die gründliche Ausbildung und im Zusammenwirken mit der Stadt auf die Anschaffung zeitgerechter Ausrüstung gelegt. Die angepeilte Zielrichtung der Feuerwehr für die Zukunft war eine exakt geordnete Hilfeleistung bei Feuersgefahr, bei sonstigen Unglücksfällen, später dann besonders im Straßenverkehr sowie bei Notständen durch Naturereignisse. Außerdem gehörte die fachgerechte Mitwirkung bei der Feuerverhütung dazu.

Um 1970 wurde Hemau zur Stützpunktwehr ernannt. Ihr Einsatzbereich umfaßt nun die Orte der gesamten Großgemeinde, und zwar Hemau, Haag, Hohenschambach, Kollersried, Klingen, Langenkreith, Laufenthal, Neukirchen, Pellndorf, Aichkirchen, Thonlohe und Berletzhof, in Sachen Brandschutz sowie technischer Hilfeleistung zur Unterstützung der jeweiligen Ortswehr. Bei schweren Verkehrsunfällen zieht sich der Einsatzraum bis hin zur Autobahn zur Unterstützung für Beratzhausen und Laaber. Bei Ölschadenseinsätzen auch weit über die Grenzen dieses Bereiches hinaus.
Die folgenden Jahre brachten viele Neuanschaffungen von Gerät und Fahrzeugen. Damit verbunden war auch die entsprechende Schulung der Wehrmänner. Das Schulungsangebot der letzten Jahre war sehr umfangreich und wurde von den aktiven Feuerwehrlern ausgiebig für Spezialausbildung in Anspruch genommen. An der Staatl. Feuerwehrschule in Lappersdorf wurden Lehrgänge für Kommandanten, Zugführer, Gruppenführer, Atemschutzgeräteträger und Atemschutzgerätewart, Sprechfunker, Maschinisten für Löschfahrzeuge, Ölschadenbekämpfung und Gerätewarte laufend beschickt.
Vom Brandschutz bis zur technischen Hilfe reicht heute das Spektrum der Einsätze unserer Stützpunktfeuerwehr.
Besondere Anforderungen an die Feuerwehrleute stellen die Einsätze bei Verkehrsunfällen, wenn Verletzte oder Tote aus ihren Fahrzeugen mit dem Rettungsspreitzer befreit werden müssen. Es zeigt sich, daß nicht mehr der „Rote Hahn“ die Wehrmänner am meisten zum Einsatz ruft, sondern andere, moderne Probleme sind es, die eine Stützpunktwehr fordern.