Feuerwehrseelsorge als Fachberater Seelsorge (FBS)
Allgemeines:
Der Begriff “Fachberater Seelsorge” ist für die meisten Angehörigen der Feuerwehren noch unbekannt. Notfallseelsorge, ja die kennt man, Fachberater in der Feuerwehr, wie z.B. Fachberater Ärzte oder Fachberater EDV sind hingegen schon bekannt. Der Fachberater Seelsorge entstand hingegen erst seit Mitte der 90er Jahre. Ende der 90er Jahre wurde dieser Begriff endgültig durch Bekanntmachung nach Art. 6 des Bayerischen Feuerwehrgesetzes (BayFwG) in Verbindung mit der Vollzugsbekanntmachung zum BayFwG 6.4 festgelegt. So können nach diesem Gesetz Feuerwehren Fachberater ernennen, die ihre besonderen Kenntnisse (meist aus ihrem Berufsleben) der Feuerwehr zur Verfügung stellen.
Zum Dienst als Fachberater Seelsorge eignen sich vor allem diejenigen Männer und Frauen, die eine abgeschlossene und kirchlich anerkannte Seelsorge-Ausbildung einer der Kirchen im Arbeitskreis christlicher Kirchen vorweisen können und zudem auch die Bereitschaft zeigen nicht nur in der Feuerwehr mitzuarbeiten, sondern auch bereit sind dieses gewiss nicht einfache Amt zu übernehmen. Im Übrigen sollen diese Voraussetzungen auch verhindern, dass z.B. Mitglieder von Sekten diesen überaus sensiblen Bereich ganz nahe am traumatisierten Menschen übernehmen können (ACKV-Regel).
Aufgaben:
Die Fachberater Seelsorge sollen zunächst einmal die örtliche Feuerwehr im Einsatz, in der Aus- und Fortbildung mit ihrem Fachwissen unterstützen. So kann ein Fachberater z.B. in der Stressbewältigung ein hilfreicher Begleiter sein. Die meisten Fachberater nutzen ihre Kenntnisse auch, indem sie im Winter gezielt Schulungen auf dem Gebiet der Psychohygiene und Stressbewältigung anbieten. Im Gegenzug sollen die einzelnen Ortsteilfeuerwehren aber auch wieder die Fachberater Seelsorge unterstützen, wenn es darum geht im Einsatz technische Hilfestellungen zu erhalten. Dabei ist es ganz selbstverständlich, dass die zu ernennenden Fachberater Seelsorge die Möglichkeit erhalten am Seminar “Fachberater Seelsorge” an der Staatlichen Feuerwehrschule Regensburg teilzunehmen.
Wer einmal vom “Virus” Fachberater Seelsorge befallen ist, wird sehr schnell spüren, dass diese Aufgabe innerhalb der Feuerwehren nicht nur höchst sensible Bereiche anspricht, sondern auch, dass die Kameraden und Kameradinnen sehr wohl höchst angetan sind, dass sie in diesem Fachmann eine Vertrauensperson finden, die ihnen in den schwierigen Situationen ihrer Tätigkeit mit einem offenen Ohr, aber auch mit helfenden Händen zur Seite steht. Diese Hilfen werden in der Regel nach schwer belastenden Ereignissen nur zu gerne in Anspruch genommen.
Daher ist es auch hier wiederum wichtig, dass die Fachberater sich weiterbilden. und an den verschiedenen Fortbildungsmaßnahmen für ihr Spezialgebiet teilnehmen. So werden an der Staatlichen Feuerwehrschule im jährlichen Wechsel neben dem Grundseminar “Fachberater Seelsorge” auch eine “Fortbildung Fachberater Seelsorge” angeboten. In Geretsried kann zusätzlich noch der Lehrgang “Stressbewältigung” belegt werden.
Um nach schweren Einsätzen die Feuerwehren sinnvoll unterstützen zu können, ist es von großem Vorteil, wenn die Fachberater zusätzlich noch in SBE (Stressbewältigung nach Belastenden Ereignissen) bzw. CISM (Critical Incident Stress Management) ausgebildet sind. Diese Kurse werden in Bayern von verschiedenen Stellen angeboten.
Wir alle wissen: Menschenrettung ist eine der Grundaufgaben der Feuerwehr. Leider übersehen die für die Feuerwehr Verantwortlichen, aber auch die in der Feuerwehr Verantwortlichen, dass die Rettungskräfte häufig bis an die Grenze ihrer psychischen und physischen Kräfte gehen. Es ist weder den Opfern eines Notfalls noch den Helfern bei einem Notfall gedient, wenn eines Tages die Kameraden und Kameradinnen ihren Dienst quittieren, weil sie nicht mehr mit dem Leid und der Not der Menschen fertig werden. Um genau diesen Folgen vorzubeugen ist es dringend notwendig, dass die Ortsteilfeuerwehren, aber auch die Führung in der Feuerwehr dieses besondere Amt in der Feuerwehr stärkt. Die FBS können helfen und sie wollen helfen.
Nach meiner Zeit als Kaplan in Abensberg wo ich seit August 1999 bis August 2001 als Fachberater Seelsorge der Stadt Abensberg tätig war, bin ich als Fachberater Seelsorge der Stadt Hemau seit März 2002 im Amt.
Zu meinen Aufgaben gehören auch hier die Aus- und Weiterbildung auf dem Gebiet der Verarbeitung von belastenden Ereignissen. Der Hilfe in Einsatzfällen und der Betreuung der Feuerwehren während und nach schweren Einsätzen. Meine ersten großen Einsätze als Fachberater in Hemau erlebte ich beim Großbrand einer Schreinerei in Neukirchen bei Hemau und später bei einem schrecklichen Verkehrsunfall mit drei toten Kindern auf der Straße zwischen Aichkirchen und Painten im Mai 2002. Seit damals kamen eine ganze Reihe weiterer schwerer und schwerster Verkehrsunfälle mit Schwerstverletzten und Toten hinzu. Der letzte Großeinsatz war in Hemau als bei den Löscharbeiten zu einem Brand in einer wegen Renovierung geschlossenen Hemauer Kneipe der Gastwirt tot aufgefunden wurde. Hier war besonder viel Fingerspitzengefühl nötig, da die meisten der Einsatzkräfte den Gastwirt gut kannten.
Bei allen diesen Einsätzen stand ich zur Verfügung und half so gut ich konnte, die Fragen der Einsatzkräfte zu beantworten und Ihnen mit meinem Fachwissen zur Seite zu stehen.




