Aus meinem Japantagebuch
Sieben Mal war ich nun bereits in Japan. Und nun bin ich wieder hier im Land der Gegensätze. Es ist ein Land, das so gar nicht in eine Schublade passen will. Warum ich Japan so liebe? Vielleicht weil es ein Land ist, das meinem Wesen so entspricht.
Darum also hier der Bericht meiner achten
Japanreise 2009
10. und 11.08.2009
Um 8.50 Uhr werde ich von einem Taxi abgeholt um zum Treffpunkt meines Zubringers zu kommen. Witzigerweise ist es der Bruder unseres ehemaligen Angestellten und wir haben uns seit ungefähr 25 Jahren nicht mehr gesehen. Am Treffpunkt angekommen ging es in ungefähr 70 Minuten nach München zum Flughafen.
Dort erlebte ich meine erste “böse” Überraschung. Der übers Internet gebuchte Sitzplatz nach Frankfurt war nicht mehr vorhanden und ich bekam einen neuen. Sogar mit Extra-Fußfreiheit. Wie sehr hätte ich mir den dann auf dem Flug nach Osaka gewünscht. Mit Verspätung flogen wir dann nach Frankfurt. Dort die nächste Überraschung: Ich hatte für den Flug nach Osaka nur einen “. . . ” Platz. Das heißt auch hier war die Reservierung wieder aufgehoben worden und ich hatte dann den zu nehmen, der noch da war. Und der war neben und hinter einer französischen Familie. Dies war mit viel Hin- und Her verbunden. Jetzt weiß ich auch wie sehr manchmal die Nerven von Eltern strapaziert werden. Allerdings muss ich diese Eltern echt bewundern. Die wußten mit ihren Kindern umzugehen und sie immer wieder zu zügeln.
Der Flug war einigermaßen ruhig und so konnten wir kurz vor 9 Uhr in Osaka landen. Das Wetter war nicht so großartig. Die Ausläufer des großen Taifuns der Taiwan und China erreicht hatte, waren auch hier noch zu sehen (Wolken, Sonne, Wolken…)
Am Flughafen noch schnell den Japan Rail Pass geholt und dann ab nach Kyoto. Es ist schon gut, wenn man sich auskennt. Da hat man dann weniger Muffensausen. Irgendwie ist es wie nach Hause kommen. Hotel kenne ich, die Leute kennen mich noch. Also was will ich mehr? Mittag in meinem Lieblings-Sushirestaurant am Bahnhof mal wieder wirklich gutes Sushi gegessen, dann um 13.00 Uhr eingechekt und dann einfach den Tag ausklingen lassen. Wow. Ach ja diesmal gibt es wohl kein Musical im Kyoto – Theater. Erst im Oktober wieder “Die Schöne und das Biest” Aber da bin ich ja schon wieder zuhause. Leider!
Nachdem ich nun noch ein bisschen rumgeschaut und mit sehr viel Wohlgefallen den renovierten Teil des Bahnhofes erkundet habe, rührt sich ein wenig der Magen und verlangt nach etwas Warmen. Dem Gefallen tue ich ihm gerne und suche mein Lieblings-Okonomyake-Restaurant auf. Wie von selbst finden die Füße den Weg und man erinnert sich sogar noch an mich. (Und das bei den Menschenmengen!) Vielleicht ist man aber auch nur freundlich und freut sich, ausländische Gäste begrüßen zu dürfen. Nichtsdestotrotz gibt es heute zur Begrüßung “Okonomyake Butatama in Kansai-Style” und dazu ein gutes Sapporo-Bier. (Nur in Japan gönne ich mit Hin und Wieder mal ein Bier. Ist einfach besser als ständig Wasser trinken.So heiß habe ich allerdings schon lange nicht mehr gegessen. Als ich mit dem Essen am Ende war glühte die Pfanne immer noch! Aber man hat ja eine Brandsalbe dabei…
Nach diesem wunderbaren Abendessen geht’s nach Hause ins Hotel und Gute Nacht!
12.08.2009
Heute bin ich frisch erholt um 7.00 Uhr zum Frühstück gegangen. Naja, ein bisserl später als sonst ist es schon. Aber ich habe ja Urlaub und da will ich nunmal keinen Streß machen. Ein “echtes japanisch-westliches” Früstück. Mit Kaffee und frischen Früchten, Rührei, Tomaten, Blumenkohl, Brokkoli, Reis und Misosuppe. Und ganz zum Schluß ein frischer Naturjoghurt. Hmmm das schmeckt wie immer köstlich. Aber alles mit Stäbchen! Danach noch schnell per Internet die nächsten Tage und Zugverbindungen geplant. Dann schnell zur Reservierungsstation im Bahnhof. Eigentlich hatte ich ja mit mehr Menschen dort gerechnet, aber Wunder gibt es immer wieder. Nur zwei vor mir. Da hat sich die nette Dame am Schalter richtig Zeit für mich genommen und die Reservierungen gemacht. Anders als im letzten Jahr als nach zwei Reservierungen Schluß war! Ein Hoch auf diese angenehme Änderung. Danach bin ich endlich los. Mit der Subway Richtung Kyoto Imperial Garden.
Nach der Eiseskälte im Zug dann der Hitzeschock. Aber schon Pfarrer Kneipp empfahl Wechselbäder. Allerdings treibt das den Kreislauf so richtig an. Dafür haben mich die wunderschönen Bäume in diesem weitläufigen Palastgarten dann wirklich entschädigt. Einfach toll. Und der kleine Teich mit dem Tempel und den vielen Karpfen. Einfach unglaublich. jede Ecke bietet eine neue ungeahnte und wunderschöne Sicht. Gott sei Dank ist der Garten nicht so überlaufen. Vielleicht weil er so “normal” ist? Einfach unter einem Baum sitzen und den Leuten zusehen. Das nenne ich Erholung. Nächster Besuch ist vorgeplant! Noch eine Viertelstunde und dann bin ich beim Heian-Shrine. Staatsheiligtum! Tausend und ein Tourist. Warum können die nicht zu Zeiten kommen, wenn ich nicht da bin? Aber dahinter ist auch wieder ein herrlicher Garten und den sehen die Touristen meistens nicht. Gott sei Dank habe ich den schon vor ein paar Jahren durch Shinichi Shimokawa kennengelernt. Er ist wirklich bezaubernd. Auch hier Blüten in Hülle und Fülle. Einfach umwerfend. Langsam knurrt der Magen und ich denke noch an die Liste mit den Mitbringseln. Nicht jeden Tag suchen, sondern wissen, was man will ist in Japan die Devise. Und so mache ich mich auf zu Amita. Dort finde ich genau die Dinge die ich gesucht habe. Somit habe ich mich gleich jetzt zu Beginn der Jagd nach den Mitbringseln entledigt und kann die Reise um so mehr genießen.
Den Spätnachmittag verbringe ich im Hotel. Um 17.00 Uhr ist Shiatsu-Massage angesagt. Ich kann nur eins sagen: Wow. Es ist jedes Mal, als würdest du unter die Räder kommen aber kurze Zeit später fängst du an das Ergebnis zu spüren. Und das ist der reine Wahnsinn. Wer einmal in Japan ist, sollte sich diese Massage gönnen. Natürlich gibt es sowas auch mittlerweile bei uns. Aber hier ist es doch irgendwie ganz anders. Eine kleine Frau mit ungeheurer Kraft und wieselflink. Das fasziniert echt. Das sie ihr Handwerk versteht, kann ich wirklich nur unterstreichen. Das ganze geschieht in völliger Stille. Das wichtigste ist bei allem: Völlige Entspannung suchen. Dann merkst du jeden einzelnen Griff und jeden einzelnen Druck. Nach 45 Minuten war es leider schon vorbei. Aber der Preis ist gerechtfertigt! Trinkgeld wird auch hier keines angenommen. Es ist hier einfach selbstverständlich, dass man für seine Arbeit entlohnt, aber nicht noch zusätzlich beschenkt wird!
So nachdem ich das geschrieben habe, wird es endlich Zeit zum Abendessen. Mal sehen, was der Speiseplan der Restaurants so bietet.
13.08.2009
Nachdem der Wecker mich nach einer relativ schlaflosen Nacht unbarmherzig um 6.00 Uhr aus den Federn geworfen hat, ging es nach einem reichhaltigen japanisch-westlichen Frühstück zum Bahnsteig JR Nara Line. Ziel sollte der Inari-Tempel sein. Einst hatte die Hata-Familie diesen unglaublichen Schrein im 8. Jahrhundert errichtet: Zu Ehren der Sake und Reisgötter! Jahr für Jahr wünschte ich mir diesen Tempel zu sehen und jetzt endlich ist es mir geglückt. Schon der Auftakt war heiter und entspannend. Eine Gruppe südländischer Gäste (es klang alles sehr spanisch) versuchte sich im fotografieren zu übertreffen. Immer wieder traf ich auf die Gruppe entlang des fast 4 km langen Pfades entlang des Inariyama. Hunderte von Torii begleiten einen den Weg hinauf und hinab. Immer wieder traf ich auf Besucher, die nach längerem Hinaufgehen aufgaben. Ich wollte nicht aufgeben und bin bis zum letzten Schrein ganz nach oben gegangen. Der Lohn war eine unglaubliche Aussicht auf Kyoto. Auf dem rückweg wurde ich mindestens zweimal von einem japanischen Sportler überholt, dem ich bereits beim Hinaufgehen immer wieder begegnet bin. Welche geheimen Wege der wohl gegangen bzw. gelaufen ist? Oder vielleicht war es der Fuchsgott Inari selber, der als heiliges und zugleich mystisches Wesen die Fähigkeit besitzt in den menschlichen Körper zu schlüpfen. Egal – mir hat dieser Ausflug extrem gut gefallen und meine Kamera wurde während des gesamten Besuchs nicht kalt. Aber um ehrlich zu sein: So geschwitzt wie heute habe ich schon lange nicht mehr in Japan. Die Schwüle war echt extrem und ich fühlte mich wie ein Schwamm, aus dem die letzten Tropfen rausgepresst wurden. So machte ich mich auf den Heimweg. Der Zug kam pünktlich (wie sollte es in Japan auch anders sein?) und schon war ich wieder zurück in Kyoto-Station. Da ich unterwegs ein Plakat von der “Schönen und das Biest” mit dem Hinweis auf Sondervorstellungen gesehen hatte, machte ich mich doch noch einmal auf zum Kyoto-Theater. Und siehe da, meine rudimentären Kenntnisse des Japanischen hatten mich nicht betrogen! Die Schöne ist auch im August zu sehen. Man sollte eben niemals aufgeben! Da heute “Sold out” war, blieb mir nur die Möglichkeit über den telefonischen Ticketvorverkauf. Das war in der Tat ein echtes deutsch-japanisches-englisches Abenteuer. Aber ich habe es bestanden und werde wohl am 18.8. die japanische Version des Disneymusicals sehen. Bin schon sehr gespannt darauf.
Den Nachmittag verbrachte ich dann mit einer Fahrt zur kath. Kathedrale von Kyoto um die Zeiten für den Gottesdienst mit dem Erzbischof am Sonntag zu erfahren. Auch das hat auf Anhieb geklappt. Nur einmal umsteigen, dann Exit 2 und einmal ums Eck und schon ist man da. Wer also auch auf seinen Gottesdienst nicht verzichten will, der hat auch in Japan die Gelegenheit hierzu. Leider nur auf japanisch, spanisch oder englisch (und das um 12.00 Uhr mittags) Na egal ich freue mich, weil ich da auch eines guten Freundes gedenken kann, der vorgestern gestorben ist (es war mein alter Dompfarrer Josef Kett). Den Rest des Nachmittags verbrachte ich dann auf dem Weg nach Gion unter den verschiedensten Vorbauten, denn nun hat es endlich angefangen zu nieseln und zu regnen. Und das ist in Kyoto echt unangenehm, denn es ist eh schon alles so schwül und dann auch noch Regen. Igittigitt.
Den Abend habe ich mit einem opulenten Okonomyake Essen beendet. Man sollte schon die verschiedenen örtlichen Köstlichkeiten probieren. Man sehen vielleicht kann ich auch übermorgen in Hiroshima davon was essen. Und jetzt noch eine schöne kühle Dusche (Pfarrer Kneipp siehe oben) und ab in die Heia. Morgen ist ja auch noch ein Tag und ausserdem muss ich ja noch ein bisschen den Weg für morgen vorbereiten.
14.08.2009
Konbanwa – Guten Abend. Und gleich mal vorweg: Heute nacht hat es hier so richtig geregnet. Zumindest ausserhalb des Zentrums von Kyoto. Woher ich das weiß? Ganz einfach, als ich heute morgen mit der Subway in Richtung Daigo gefahren wurde ich auf dem Gelände des wunderbaren Tempelbezirks von sehr vielen tiefen ausgespülten Wasserrinnen überrascht. Diese waren zum Teil noch richtig nass und so kann man eins und eins zusammen zählen. Aber ganz langsam und von Anfang an. Aufstehen und Frühstücken – wie immer. Halt nicht wie immer. langsam werde ich zum Urlauber. Jeden Tag ein bisschen später. Aber morgen wird es dafür umso früher, denn mein Zug nach Hiroshima geht ja bereits um 8.02 Ortszeit. Aber das ist ja auch erst morgen. Heute habe ich mir vorgenommen gemütlich nach Daigo zu fahren um dort den Tempelbezirk und die wohl älteste Pagode Japans und damit das älteste Gebäude Kyotos zu besichtigen. Daigo bezieht sich hier wohl auf fünf Abschnitte der Lehre Buddhas die häufig mit den fünf Arten von Milch verglichen werden. Bei der Besichtigung fiel mir auf, dass hier fast asschließlich japanische oder zumindest aisatische Besucher zugegen waren. Keine Europäer, wenn man von mir mal absieht. Es war eine himmlische Ruhe, eine ungewöhnlich klare und frische Luft und einfach Zeit die Seele unter den herrlichen Bäumen in diesem wunderbaren Tempelbezirk spazieren gehen zu lassen. Besonders faszinierend ist im mittleren Teil des Bezirks der kleine Teich mit der roten Brücke und dem kleinen roten Gebäude oberhalb. Leider konnte mir mein Japanführer keine Auskunft über diese Teil des Tempels geben. Mal sehen, ob nicht zuhause etwas darüber zu lesen ist.
Langsam – immerhin ist es schon Mittag mache ich mich auf den Weg zum zweiten Ziel des Tages, den Tempelbezirk des Nanzen-Ji. Dieser Tempel ist Hauptsitz der Rinzai-Schule. Tja, da sind sie wieder die Touristen. Leider haben sie weniger Anstand und werfen ihre Zigaretten überall hin. manchmal möchte man sich schon schämen. Aber ich weiß hier werde ich bald wieder gesteinigt für meine Anti-Raucher-Haltung. Aber ich kann nichts dafür. Mir wurde in meiner Kindheit beigebracht nicht einfach alles in die Gegend zu werfen. Was ich nicht mehr brauche, kann ich auch nach Hause mitnehmen und dort entsorgen. Scheinbar haben das einige Menschen auf dieser Welt noch nicht gelernt. Übrigens finde ich es auch bemerkenswert, dass es hier in Japan faktisch keine Papierkörbe gibt. Abgesehen von einigen Tonnen für die leeren Plastikflaschen, die naturgemäß überfüllt sind (Was ich nicht mit nach Hause nehmen will, kann ich ja gleich hier lassen…). Trotzdem gibt es keinen oder zumindest kaum Abfall auf den Straßen – weniger als bei uns in Deutschland. Genug des Schimpfens über Entsorgung von Zigarettenkippen. Trotz der zumindest deutlich an Anzahl gestiegenen europäischen Touristen konnte ich die Tempelbezirke fast unbeschadet besuchen und auch die Stille der kleinen Zengärten wirklich genießen. Auch der Besuch des kleinen Teeraumes im Angesicht eines reizenden Wasserfalls hat sich gelohnt. Die Süßigkeiten werden von den Nonnen des Zenklosters hergestellt, dazu wird Matcha (grüner Tee) gereicht.
Auf dem Heimweg besuchte ich noch den Konchi-In mit seinem berühmten “Kranich und Schildkröten”-Garten. Hier ist eine Verbindung zum großen Shogun Ieyasu Tokugawa vorhanden. Denn ein Stein in dieser bezaubernden Gartenanlage gilt als “Altar” zu Ehren des in Nikko beigesetzten Shoguns. Außerdem ließ er hier auch von Ishin Suden den sogenannten Toshogu-Schrein errichten. Noch überraschter war ich, dass ich mich fast gänzlich alleine dem Anblick dieses herrlichen Garten widmen konnte.
Der Heimweg führte mich zunächst in die quirlige Gegend des Kawaramachi mit seinen unzähligen Läden, in denen man viel Geld ausgeben kann, wenn man will. Ich wollte aber nicht, so machte ich mich auf um mit der Linie 205 in Richtung Bahnhof zu fahren, noch ein paar Getränke zu kaufen und dann den Abend mit einer wunderbaren Shiatsu-Massage zu beenden. (Das war die beste in meinen ganzen Jahren hier in Japan!) Ich habe mich sehr wohl gefühlt und dabei das gespürt, dass sie ganz genau weiß, wo bei mir die schmerzhaften Punkte zu finden sind. Wow. Nochmal so eine Massage und ich bin topfit. Jetzt aber Gute Nacht, denn morgen geht es mit dem Shinkansen nach Hiroshima und nach Miyajima.
15.08.2009
Na also, geht doch! Aufwachen vor Sonnenaufgang. Tja und das ganze 7 Stunden früher als sonst! Da braucht es doch wirklich keinen Wecker mehr, oder? Und der liebe Gott schickte seinen blausten Himmel. Meine ersten Gedanken galten den Frühaufstehern. Ob es wohl schon einige gibt, die mit mir frühstücken? OH JA! Wenn ich es nicht selbst erlebt hätte würde ich sagen, die Touristen spinnen. Egal ob Einheimische oder Fremde. Wer schon einmal um 7.00 Uhr zum Frühstücken gegangen ist, der kann davon ganze Bände erzählen. Ich jedenfalls hatte das Gefühl, es ist die Schlacht um das Frühstückbuffet entbrannt. Man musste wirklich aufpassen, dass einem nicht fremde Sachen auf’s Tablett gelegt werden, oder sogar das Tablett entführt wird. Dies geschah auch sicher nicht mit Absicht, das zeigte die Ernsthaftigkeit mit der man sich bei mir entschuldigte. Nach dem Frühstück ging es dann in Windeseile zum Bahnhof. Shinkansen Hikari wartet nicht. Und ich wollte doch heute noch einen herrlichen Tag in Miayjima erleben und dann noch etwas auf dem Platz vor dem A-Bomb-Dome verbringen. Aber schon unterwegs fielen mir die immer dichter werdenden Wolken auf. Und langsam begann es mir zu dämmern, dass dieser Tag vielleicht nicht so ganz sonnig werden würde. Richtig gedacht. Spätestens beim Aussteigen in Hiroshima fiel mir der Temperaturunterschied auf. Geschätzte 10 Grad weniger als in Kyoto, dazu Nieselregen, der im Laufe des Tages mal stärker und mal schwächer war. Aber ich ließ mich nicht unterkriegen. Ab mit der JR-Line nach Miyajimaguchi. Am Bahnsteig 1 warteten schon eine ganze Reihe anderer Touristen, die unschwer als zumindest europäisch anzusehen waren. Ach ja, zwischendrin noch schnell einen Regenschirm gekauft, man kann ja nie wissen. Als wir dann in Miyajimaguchi angekommen sind, zeigte sich, dass der Kauf nicht vergebens gewesen war. Es schüttete, was nur ging. Der Weg zur Fähre war dementsprechend von einer größeren Geschwindigkeit gekennzeichnet. An der Fähre angekommen, hörte der Regen wieder auf. Die zehn Minuten Überfahrt waren natürlich trocken. Auf der Insel mit dem berümtesten Torii Japans angekommen, war mir klar, dass ich zur falschen Uhrzeit, aber zum richtigen Zeitpunkt da war. Falsche Uhrzeit? Das Torii stand im Trockenen. Ebbe war angesagt! Und richtiger Zeitpunkt? Die letzten Tage waren wohl die wichtigsten auf Miyajima. O-bon-Fest. Man könnte dies wohl im Entfernten mit unserem Allerheiligenfest vergleichen. Nur heiter und beschwingt. Man besucht die Toten, betet für ihre Seelen und verbringt gewissermassen den Tag mit ihnen. Das japanisch-buddhistische Obon-Fest ist also ein Fest zu Ehren und zur Freude der Verstorbenen, die ein Mal im Jahr aus dem Jenseits zurückkehren, um die Lebenden zu besuchen. O-bon dauert mehrere Tage und ist eine der größten Feiern Japans. Ich freue mich jedenfalls im Geheimen schon auf Morgen, wenn in Kyoto das große Daimonji-o-bon stattfindet. davon aber morgen!
Zurück zum Torii von Miyajima. Hunderte von Japanern und Touristen (in diesem Fall dürften es egal sein. Denn jeder der hierher kommt, ist mehr oder weniger ein Tourist, es sei denn er wohnt auf der Insel) machten sich auf dem Weg zum Torii um durch Wasserbäche und Schlick zu waten, weil man dort das ultimative Foto zu machen gedenkt. Touristen planschten im Wasser wie die kleinen Kinder. Sogar Koffer wurden mitgeschleppt. Tja, was man so alles erleben kann. Natürlich habe ich auch ein paar Fotos gemacht, denn sooft ich hier war, Ebbe habe ich noch nie erlebt! Ein Rundgang über die Insel schloß sich an und beim Zurückkommen hatte der japanische Meeresgott ein Einsehen und er schickte Flut. Man konnte es direkt miterleben, wie schnell das Wasser anstieg. Zwischen drei Fotos direkt an der Wassergrenze musste ich mindestens viermal weiter nach hinten gehen, beinahe hätte ich dann den Zugang zur Treppe nicht mehr trockenen Fußes geschafft, so schnell stieg das Wasser. Tja nicht nur von unten sondern auch von oben kam es wieder in dicken Tropfen, so dass ich dann doch den Rückweg antrat, in der Hoffnung, dass es vielleicht in Hiroshima besser sein würde. Die Rückfahrt war sehr angenehm, aber das Wetter in Hiroshima weniger. Es schien noch kühler geworden zu sein. Und so kehrte ich von meinem geplanten Kurzbesuch – ich war gerade auf dem Weg zu Friedenskathedrale, als mich wieder ein heftiger Schauer zum Unterstellen zwang – schneller als gedacht zurück. Nein. Regen kenne ich schon, da muss ich mich nicht auch noch erkälten. Und so setzte ich mich um 15.15 Uhr wieder in den Hikari Superexpress und ab ging es in Richtung Shin-Osaka und von dort nach Kyoto. Und wie war das Wetter in Kyoto? Eindeutig besser und wärmer, aber leider auch schon bewölkt. Mal sehen wie es morgen sein wird. Aber morgen ist ja Gottesdienst und Museumstag angesagt, da kann es mir dann eigentlich egal sein. Und am Abend möchte ich gerne den Feuerzeichen zu sehen. Das Besondere beim O-bon in Kyoto sind die überdimensionalen Feuer, die stets im Fernsehen übertragen werden. Mit Feuern werden die Toten zu Beginn begrüßt und die Bon-Feuer am Ende dieser Feiertage leuchten den Toten auf ihrem Weg zurück ins Jenseits. Zwei der dortigen fünf Daimonji-Bon-Feuer (Gozan-Okuribi) werden so vorbereitet, dass sie beim Entzünden aussehen, wie das Zeichen für dai (groß) haben. Zwei weitere Feuer sehen aus, wie die Zeichen für myo und ho (Gesetz Buddhas) und das dritte Feuer entspricht dem Zeichen torii, was soviel wie Tor heißt. Begleitet wird das Abbrennen des Feuers von speziellen Bon-Tänzen. Na ich freue mich auf morgen.
16.08.2009
Sonntag Morgen. ein Tag wie gemalt. Nach einem ausgiebigen Frühstück und der Suche nach den letzten Souvenirs für Zuhause geht es zunächst einmal in die Kirche. Um 12.00 Uhr Gottesdienst. Eine recht ungewöhnliche Zeit für mich. Aber nichts desto trotz ein beeindruckender Gottesdienst. Er wurde gestaltet von der recht großen philippinischen Gemeinde. Dem Gottesdienst stand ein Philippinischer Priester vor, der vermutlich genauso gut Englisch beherrschte wie ich. Zumindest hatte ich so den Eindruck. Eine Frau sagte jeweils was zu tun war. (Aufstehen, setzen, beten). Eine gute Idee für Menschen, die jetzt nicht soviel mit Kirche zu tun haben wie ich. Wäre vielleicht auch was für unsere Gottesdienste in Europa. Da wissen auch manche nicht, was sie tun sollen. Zwei Gitarren und eine Flöte waren als musikalische Begleiter der Lieder vorhanden und schon zu Beginn spürte ich die Besonderheit dieser Musik. Das Mitsingen wurde durch Liedtexte (ohne Noten) zumindest textlich erleichtert. Aber die Musik war so schwungvoll, dass man unheimlich leicht in die Melodien und den Schwung dieser Musik hineinkam. Es war einfach toll. Nach dem immerhin 75 Minuten Gottesdienst (der einem bei weitem nicht so vorkam) erstand ich eine “japanische Hl. Familie”. Maria mit dem Kind und Josef im japanischer Tracht! Sie wird sicher einen Ehrenplatz bei mir bekommen. Den Nachmittag verbrachte ich mit den vergeblichen Versuchen das Nationalmuseum in Kyoto zu besuchen (Die “normale Ausstellung war wegen einer Sonderausstellung von russischen Schriften geschlossen). Danach wollte ich in Kyoto-Kaikan wenigstens die Louvre-Ausstellung sehen. Aber dies an einem Sonntag zu tun, war ein hoffnungsloses Unterfangen. Das war eine Menschenschlange, wie ich sie eigentlich nur von Rom und der Sixtina her kannte. Selbst für japanische Verhältnisse war dies mehr als ungewöhnlich! Und in brütender Sonne ein oder zwei Stunden auf den Einlass zu warten hatte ich einfach nicht im Sinn. Also ließ ich meiner Lust an der Ruhe freien Lauf, suchte den nächsten Park (beim Heian-Schrein) auf und genoß den freien Nachmittag (Auch wenn es mittlerweile schon vier Uhr war.) Für den Abend galt es nun noch einen “idealen” Platz für Fotos vom Obon-Feuer zu finden. Mithilfe der ausgezeichneten Concierge in meinem Hotel war dies auch ein leichtes Spiel. Sie empfahl mir doch den Weg nach Kamigamo zu nehmen, an der Kitaoji-Station auszusteigen und dann zum Kamo River zu gehen. Dort warteten zwar schon tausende von Menschen, aber ich fand einen gemütlichen Platz auf einer Stufe zum Sitzen und Warten. Als dann das Feuer entzündet wurde, ging ein Raunen und ein Klatschen durch die Menschenmenge. Aber sobald das Feuer an war, gingen die Leute wieder. Kaum einer blieb länger als nötig. Eigentlich schade. Durch die abziehende Menschenmenge fand ich dann sogar noch einen idealen Holzpflock, der mir als Stativ diente und so konnte ich sogar noch einige einigermaßen vernünftige Fotos machen. Auch konnte ich so noch die große Trommeln hören, die von einigen Japanern angesichts des Obon-Feuers geschlagen wurden. Angefüllt mit einigen neuen und guten Erlebnissen, beendete ich diesen Tag im Hotel. Es war ein schöner Tag und ein guter Tag.
17.08.2009
Der Morgen kam mit voller Wucht. So herrlich blau und sonnenerfüllt habe ich ihn selten erlebt. Ein Grund mehr heute den Tag zu genießen. Zunächst nach einem ausgiebigen Frühstück machte ich mich auf den Weg nach . Dort wollte ich mir eigentlich “nur” den berühmten Bambuswald beim Tempel Tenryu-ji ansehen. Aber aus dem “nur” wurde ein fast ganzer Tag. Der herrliche Garten, die wunderbare Luft und das Gefühl, “raus aus dem Gewühl” waren so berauschend, dass ich den ganze Tag dort verbrachte. Ein Urlaubstag mit all seinen wunderbaren Seiten. Neben dem Fotografieren – das musste ja so sein… – habe ich mich auch wieder ausgiebig meinem dilettantischen Zeichnen hingegeben. Und ich muss sagen, so schlecht sind meine Bilder gar nicht geworden. Mal sehen, was am Ende dabei alles herausgekommen ist. Wer also einmal Zeit hat und sich wirklich entspannen will, der sollte den vielen Tempeln und Schreinen einen Besuch abstatten und nicht nur wegen der einen berühmten Holzbrücke herauskommen. Allzu oft wird neben den vielen “Hauptattraktionen” leider übersehen, dass doch noch viele andere wunderbare Orte in einer Stadt zu finden sind. Und dass Kyoto an solchen Orten überreich ist, ist einfach nicht zu übersehen. Und so wurde aus meinen geplanten Besuchen an den verschiedenen Orten dann nur ein Besuch – aber der hatte es eben in sich. Gut, dass ich nicht zum ersten Mal in Kyoto bin. Morgen aber wird alles ganz anders… oder?
Den Spätnachmittag verbrachte ich “Wahnsinniger” noch eimal in der Schlange vor dem Kyotokaikan und der Louvre- Ausstellung.Eine riesige unübersehbare Schlange von Menschen, aber ich wollte da ja auch noch unbedingt hinein. 70 Gemälde aus dem 17. Jahrhundert haben ihren Weg nach Japan gefunden. Darunter so berühmte Gemälde wie das Selbstbildnis Rembrandts mit der goldenen Kette, oder die Perlenstickerin. Auch Maria von Medici war da. Dennoch war die Ausstellung schon alleine aufgrund der nicht so gelungenen Aufteilung zwar spannend anzusehen. Aber dennoch waren neben den 5 oder sechs wirklich bekannten Bildern eher weniger bekannte und ich denke für Japaner auch durchaus weniger spannende Werke dabei. Zumal gerade die letzte Abteilung mit den ganzen Götterbildern natürlich schon schwer war zu verstehen. Tun wir uns Europäer schon schwer überhaupt etwas vom Götterverständnis des Shintoismus zu verstehen, wie schwer mag es dann einem Japaner fallen die ganze griechische, römische und überhaupt antike Götterwelt und Philosophie anfzunehmen. Als ich dann nach 90 Minuten wieder aus der Ausstellung herausgeschoben wurde machte ich mir klar, dass europäische Bilder eben dorthin gehörten, wo sie entstanden sind. Genausowenig kann man japanische Kunstwerke ausserhalb ihres Entstehungsortes eigentlich so richtig verstehen, auch wenn sie weitaus mehr zeitlos und ortsgebunden sind.
18.08.2009
Der heutige Tag begann wieder wie jeder andere mit einem ausgiebigen Frühstück. Doch aus einem mir völlig unerfindlichen Grund hatte ich gestern meinen zeitlichen Plan völlig unterschätzt. Zunächst einmal führte mich der Zug hinaus nach Tofuku-Ji einer Station vor Inari (der Schrein mit den Füchsen!) Tofuku-Ji hat nichts mit dem gleichnamigen Sojalebensmittel zu tun. Der Priester Enni errichtete den Tofoku-Ji bereits vor ungefähr achthundert Jahren. Das Bauwerk sollte dem Todai-ji und dem Kofuku-ji in Nara ebenbürtig sein. So wurde auch der Name dieses Tempelbezirks aus den Silben To (von Todai-ji) und Ko (von Kofuku-ji) zusammengesetzt. Heute zählt dieser Tempelbezirk zu den fünf wichtigsten ZEN-Tempeln der Stadt Kyoto. Er gehört heute der Rinzai-Glaubensgemeinschaft. Das San-mon sagt man sei das älteste erhaltene ZEN-Tor Japans. Und für meine Begriffe das erstaunlichste. Nicht nur dass man dieses Bauwerk auch ersteigen kann. Es führt eine Treppe hinauf. Ziemlich steil, wie so viele alte Treppen vor allem in japanischen Schlössern zu erleben. Wenn man also seinen obligatorischen Eintritt gezahlt, die Treppe erstiegen und zunächst einmal Luft geholt hat, erlebt man in 15 m Höhe einen höchst erstaunlichen Tempelinnenraum mit Buddha in der Mitte umgeben von 16 Statuen, die mit ihrem Heiligenschein auf den ersten Blick aussehen wie Jesus und seine Jünger beim letzten Abendmahl. (Mal abgesehen, dass es ja nur 12 Apostel waren und schon aus diesem zahlenmäßigen Grund der Vergleich böse hinkt). Aber diese Aufstellung ist höchst interessant und in jedem Fall einen Besuch wert. Die anderen Örtlichkeiten verleiten dann zu weiteren Schauen und die Augen weit aufzumachen. Die verschiedenen ZEN-Gärten sind alle aus späterer Zeit. So stammt der Hojo-Garten aus dem Jahr 1890. Die anderen Gärten wurden erst 1938 angelegt. Diese Gärten sind sicher sehenswert, aber sie fallen leider doch weit ab gegen die Gärten eines Tenryu-ji. Aber auch hier gilt immer die Geschmacksfrage. Dort wo man sich wohl fühlt, ist auch immer der schönere Garten zu finden. Aber das muss ja jeder für sich selber entscheiden. Nach diesem fast fünfstündigen Besuch war es notwendig wieder heimzukehren sich unter die Dusche zu stellen und schön zu machen für den Musicalbesuch.
Disney’s “Die Schöne und das Biest” standen auf dem Programm des Shiki-Theaters im Kyotoer Theater. Eine farbenfrohe und gelungene Inszenierung, die natürlich ganz auf den amerikanisch geprägten Theatergeschmack der japanischen Besucher abgestimmt war. Nichts desto trotz hat mir die Aufführung viel Spaß gemacht und erleben zu können, mit welcher Begeisterung manche Darsteller gefeiert wurden wäre eine zusätzliche Eintrittskarte wert gewesen. Nach dem Theater gab es noch einen Happen Sushi zu essen und dann musste ich schnell ins Bett, den für den nächsten Tag war Kanazawa auf dem Programm. Mal sehen wie’s wird. Bin schon gespannt. Denn die deutsch-japanische Gesellschaft Regensburg hat mir geholfen, meinen erkrankten Begleiter zu “ersetzen”. Wobei ich schon sehr auf Herrn Professor Kusune gespannt war. Aber davon sicher morgen mehr.
19.08.2009
Früh klingelte der Wecker (natürlich nur sicherheitshalber, damit ich auf keinen Fall verschlafe!) aufgestanden, ausgiebig gefrühstückt und auf zum Bahnhof. Dort wäre ich aufgrund der ausgefallenen Beschriftung beinahe im falschen Zug gelandet. Aber auch hier gilt “Nachfragen ist besser als falsch fahren!” Aber das Zugpersonal half mir den richtigen Zug zu finden und pünktlich auf die Sekunde setzte sich der Zug in Bewegung, den ich ebenso pünktlich um 10.25 am Bahnsteig in Kanazawa verlassen habe. Ein Rundumblick zeigte mir, dass Herr Kusune wohl doch am Haupteingang stand und mich dort erwartete. Doch hörte ich plötzlich eine Stimme: “Hallo sind Sie Herr Schäfa?” Ich drehte mich um und erblickte einen jungen Mann mit Kinderwagen und einem kleinen Kind drin. “Herr Kusune erwartet sie unten am Eingang! Ich wollte Sie begleiten, damit sie sich sicher fühlen!” Das war ein mehr als überraschender Empfang. Es stellte sich dann heraus, dass es sich um den Associate Professor of Law an der Uni Kanazawa handelte, der zugleich auch Mitglied der deutsch-japanischen Gesellschaft Kanazawa war und das Kind war sein zweijähriger Sohn Kenta. Ich war völlig überrascht. Am Eingang standen dann Herr Professor Kusune und Herr Asano. Beides Herren die mir durch ihre Art sofort sehr sympathisch waren. Ein Besucher und drei Begleiter. Das hatte ich bisher noch nie. Und was mir an diesem Tage alles an Schönem widerfuhr kann man auf diesen wenigen Seiten gar nicht alles erzählen. In jedem Falle waren die Stunden in Kanazwa angefüllt mir “Sightseeing” der besonderen Art. Also kein Touristenprogramm üblicherweise, sondern ein fundiertes Zeigen und Erklären von Hintergründen und Zusammenhängen. Ob es der Besuch im Samuraiviertel war mit den vielen kleinen Einzelheiten, oder der Besuch bei einem der berühmtesten Händler für Keramik und das dort in einem alten Teehaus eingenommene Mittagessen. Ob es der Besuch des Kenroku-en Gartens war (er zählt zu den drei schönsten Gärten Japans) oder der Besuch des Kanazawa-Burgparks. Ich habe jede Minute mit den Herren genossen. Leider mussten sich Herr Adachi mit seinem Sohn schon sehr früh verabschieden und auch Herr Asano verließ uns nach dem Mittagessen. Aber ich wurde von Herrn Professor Kusune so freundlich und sicher von einem Ort zum anderen begleitet und auch am Ende wieder zum Bahnhof gebracht, so dass mir klar wurde: hier war ich sicher nicht zum letzten Mal. Kanazawa wird mich wieder sehen. Auf diesem Wege kann ich nur noch einmal ein herzliches Domo arrigato gozaimas o-sewa ni narimashta (Vielen Dank für ihre Gastfreundschaft) sagen. Ich freue mich diese Herren so hoffe ich im nächsten Jahr auch in Regensburg sehen zu können.
Pünktlich in Kanazawa in den Zug gesetzt und pünktlich in Kyoto wieder ausgestiegen. Jetzt bin ich rechtschaffen müde und morgen ist ja auch noch ein Tag. Und da geht es dann in die japanischen Alpen nach Takayama.
20.08.2009
Heute ist leider schon die Hälfte meiner Reise vorbei. Aber wie immer sollte man es positiv sehen, ich habe ja noch eine Hälfte und die werde ich ab morgen in Tokyo verbringen. Aber zunächst einmal wollte ich wieder Takayama besuchen und dort befreundete Sake-Brauer. Man merkt, dass die großen Festlichkeiten des O-Bonfestes erst ein paar Tage her sind. Die Stadt wirkte erstmals “fast leer”. Ausser ein paar chinesische, und japanische Touristen waren nur noch einige italienische und spanische Touristen zu hören. Es schien so, als ob ich erstmals keine deutschsprachigen Touristen entdecken musste. (Meistens fand man sie in den Probierstuben der einzelnen Sakebrauereien). Ich hatte aufgrund meiner beschränkten Zeit gleich meine “Stammbrauerei” aufgesucht und wieder die mir so lieben Sake-Mochi erstanden. Ich freue mich jedes Jahr darauf und alleine diese sind ein Grund jedes Jahr nach Takayama zu kommen. Mochi besteht zunächst einmal aus gedämpften Klebreis. Traditionell wird er dann in Holzbottichen mit großen Holzhämmern geschlagen, wobei ein Helfer nach jedem Schlag den Reisklumpen wendet. Versetzt mit Sake ergibt das ein einzigartiges süßes Etwas. eben Sake-Mochi. Wenn ich schon nie das Glück habe, die berühmten Festumzüge mit den Schreinen zu erleben – diese Feiern finden ja nie im August statt – so habe ich dann doch noch etwas besonderes, dass ich im Übrigen bislang sonst in Japan noch nie gefunden habe. Leider konnte mir auch keiner sagen, ob es diese Mochi auch in anderen Orten mit Sakebrauereien gibt. Nach einem guten Mittagessen und einem ausgiebigen Kaffee mit einem unglaublich kleinen Obstkuchen (Durchmesser 10 cm) war es dann auch schon wieder Zeit die Heimreise anzutreten. Ich hatte das Glück mit einem Hida Wide View reisen zu können. Das bedeutete riesige Fensterscheiben, die eine fast Rundumsicht erlaubten. Die Reise durch diesen Teil der japanischen Alpen ist einfach unglaublich schön und man spürte es sogar bei den mitreisenden südländischen Touristen, die immer stiller ja fast ehrfürchtig wurden angesichts der herrlichen Gebirgslandschaft.
Ein wundervoller Tag und ein gelungener Abschluss meiner Zeit in Kyoto. Aber auch hier kann ich nur sagen, ich freue mich auf ein Wiedersehen. Morgen werde ich um 10.29 Uhr nach Tokyo reisen. Aber vorher werde ich wieder mit Sicherheit noch den Toji-Tempel – den östlichen Tempel besuchen. Auch das ist schon so etwas wie Tradition. Und Traditionen sollte man nur bedingt ausser Acht lassen.
21.08.2009
Etwas ungewöhnlich so früh schon etwas zu schreiben und nicht erst den Tag abzuwarten, aber wie immer begann der Tag bei meiner Abreise mit Wolken, die eigentlich Regen verheißen. Es ist etwas kühler, also angenehmer mit Sack und Pack durch die Gegend zu ziehen. Manchmal machts einem der Himmel dann schon leichter. Aber ich für meinen Teil sehe es so, dass Kyoto traurig ist, dass ich es wieder verlassen muss. Nun wie gestern schon geschrieben habe ich mich nach dem Frühstück aufgemacht um zum Toji-Tempel zu gehen. Was ich natürlich nicht bedacht habe war die Tatsache, dass am 21. jeden Monats ein großer Markt vor dem Tempelgelände stattfindet. So war es für mich schon auf dem Hinweg eine große Freude die vielen privaten Trödelhändler erleben zu können. Und dann der Markt. Man kann dort wirklich alles kaufen, was man zum Leben braucht. Angefangen von kleinen Fischen bis hin zur Kopfbedeckung. Von getrockneten Früchten (oh ja ich habe mir auch ein paar exzellente Früchte gekauft Blutorangen, Waldblaubeeren, Pflaumen und Nüsse) Da kann ich dann noch ein paar Wochen davon leben. Nicht gerade sehr preisgünstig, dafür geschmacklich umso überwältigender! Vor den Bonsai hätte ich noch eine ganze Weile länger stehen können, aber leider ist es ja nicht möglich diese nach Deutschland mitzunehmen. Eigentlich schade. Aber ich habe natürlich Verständnis für den Schutz der Natur. Viel zu viele ungute Wildkräuter wurden ja leider auf diese Weise nach Europa eingeschleppt. Und die verdrängen jetzt langsam unsere angestammten Wildkräuter. Ein Blick auf meine Uhr verrät mir, dass ich mich jetzt wohl langsam einmal fertig machen muss um zum Zug zu gelangen. Außerdem muss ich ja noch meine Wäscherechnung zahlen und das ganze Zeug muss ja auch irgendwie noch durch die Gegend geschleppt werden. Der Bahnsteig 12 steht ja, aber ob der Hikari auch stehenbleibt bis ich dann angetrottet komme, dass glaube ich weniger. Also mache ich jetzt Schluß und werde dann heute abend in Tokyo meinen Bericht fortsetzen. Jedenfalls möchte ich doch sagen. Kyoto macht einen den Abschied nie leicht. Und jedes Jahr denke ich mir, es wäre doch viel schöner den Urlaub in Kyoto zu beenden und nicht in Tokyo. Aber jedes Jahr mache ich es dann doch wieder so wie immer. Der Mensch und ich zumal ist halt doch ein Gewohnheitstier.
Tja und jetzt bin ich also wieder in Tokyo. Die Zugfahrt war zwar recht schön, aber der Koffer meiner Sitznachbarin, machte es mir schon erheblich schwer einigermaßen vernünftig zu sitzen, geschweige denn die Beine auch einmal auszustrecken. Ich habe mir ja extra einen kleineren Koffer zugelegt, da ich weiß, wie eng es in den Shinkansen zugeht. (Normalerweise hat man da mehr Platz als in jedem normalen Zug. Aber da es keine andere Möglichkeit gibt den Koffer unterzubringen ausser eben direkt vor sich, wird es dann manchmal etwas eng) Leider hatte meine junge Sitznachbarin einen Koffer, der deutlich größer war als meiner. Ich frage mich schon, was da so alles drin ist, wenn man bedenkt, dass Japaner eigentlich irgendwie immer so einen Koffer oder einen Trolley durch die Gegend schleppen. Eindrucksvoll habe ich das ja in Miyajima erlebt, als ein junges japanisches Pärchen mitsamt Koffer zum Torii-Tor gegangen ist um sich dort zu fotografieren. Dabei hatten sie einen… richtig Koffer. Aber auch das ist nun vorbei und ich bin erstmals im Südtower des Keio-Plaza angekommen. Der junge Mann an der Rezeption (passender Name Herr Jung) war sehr erstaunt, dass ein Gast einmal länger als zwei Tage bleibt… Ungläubig fragte er mich, ob das denn stimme. Ich bejahte worauf er sich mehrfach verbeugte. Ich sehe, ich kann immer noch die Menschen verblüffen. Die Zimmer im Südtower haben für meinen Geschmack noch mehr Eleganz als im Maintower. Leider ist der Blick nicht mehr ganz so gut auf das Rathaus und da ich weiter unten wohne als sonst (11. Stock) auch nicht mehr ganz so gut zum Fotografieren. Aber es ist sehr schön und wie gesagt elegant. Nach meiner Ankunft im Zimmer ging es dann daran, die versammelten Freunde und Bekannten über meine Anwesenheit zu informieren. Mein alter Freund Mitsch war der erste, dann das Pärchen, das ich vor zwölf Jahren getraut hatte und die nun hier in Tokyo leben. Mit ihnen “Harald-San und Maria-San” (ja der Ehemann heißt tatsächlich so wie ich) habe ich dann zusammen mit dreien ihrer vier Kinder einen wundervollen Abend verbracht, der darin endete, dass wir in ihrer Lieblingskneipe (ein Raum mit sechs Barhockern und zwei an die Wand gedrückte kleine Tischchen mit jeweils zwei Hockern (also insgesamt 10 Stühlen) noch einen gemütlichen Absacker zu uns nahmen. Irgendwie habe ich heute das Gefühl, da muss noch eine Katze gewesen sein, denn sonst hätte ich heute keinen Kater (oder wie sagte Pater Brown in meinem Theaterstück so schön: Na hör mal eine anständige Katze trinkt doch keinen Whiskey, da kriegst du ja einen Kater…) Also hier hat die berühmte Glückskatze ein bisschen heftig gewunken…
Es war ein abenteuerlicher Tag mit höchst interessanten neuen Wegen, die ich in Tokyo gleich zu Beginn genommen habe. Und morgen ist ja auch noch ein Tag. Alles auf einmal ist deutlich zuviel.
22.08.2009
Tja einen wundervollen guten Morgen hatte ich da. Mein erster Blick gegen 5.00 Uhr aus dem Fenster: Wolken. Dunkle Wolken. Regen??? Mein zweiter Blick um 6.00 Uhr aus dem Fenster: Wo sind die Wolken? Und was ist da so blau am Himmel? Die Sonne hatte die Wolken einfach aufgefressen und jetzt scheint sie. Deutlich vernehmbar. Ein wunderbarer Tag. Nachdem einiges an Organisatorischem vorzubereiten war, galt es zunächst einmal das Thema Frühstück zu bearbeiten. Vier Restaurants hatte ich zur Auswahl. Als erste sollte heute das Glass Court drankommen. Es ist mein Standardrestaurant im Keio Plaza. Das Frühstücksbuffet reichte zwar nicht an die Riesenauswahl des Kyotoer Hotels heran. Aber dafür machten die Köche in einer Art Show ein einmaliges Omelett. Allein dafür lohnte es sich die eigentlich hohe Summe des Frühstückspreises zu bezahlen. Nachdem Frühstück machte ich mich dann zunächst auf zum Rathaus und dann ging es nach Hamamatsucho. Dort unweit des Bahnhofes befindet sich das älteste der Shiki-Musical-Theater. Seit zehn Jahren wird dort “Der König der Löwen” gespielt. Und da ich dieses Stück noch nie gesehen habe, wollte ich versuchen Karten zu bekommen. Völlig verschwitzt (die Temperaturen hatten gewaltig zugenommen) bin ich an der Theaterkasse angekommen und habe nach Karten gefragt. Die Antwort war “Ja für heute um 13.00 Uhr hatten sie noch Karten” Was soll man sagen? Nein? Ich habe Karten gekauft und dann erst auf die Uhr gesehen. 11.15 Uhr und das Hotel fast eine dreiviertel Stunde weg. Also schnell bezahlt und zurück zum Hotel. Dort angekommen, umgezogen und wieder zurück zum Theater. Um 12.45 Uhr war ich wieder da. Zwar mittlerweile auch schon wieder verschwitzt, aber jetzt war es mir egal. Im zweiten Rang hatte ich einen einigermaßen guten Platz und vor allem eine gute Sicht. Das einzige Problem: Die Beine. Wo sollte ich die mal wieder hintun? Japaner sind einfach kleiner. Und hier war kein Shinkansen-Abstand… Glücklicherweise blieben drei Plätze neben mir frei und so teilten ein großgewachsener Japaner und ich uns diese “Freiraum” für unsere Beine.
Die Aufführung war wie überall auf der ganzen Welt nach dem gleichen Schema. Denn da geht es ja auch um standardisierte Aufführungen, die ein bestimmtes Niveau haben müssen. Sehr viele Kinder, vor allem auch kleinere (die dann irgendwann einmal einschliefen) und ganz viele junge Eltern waren das Publikum. Die Sänger und die Tänzer und das Liveorchester mit den beiden Solopercussionisten waren einmalig. Es hat Spaß gemacht. In der Pause erhielt ich inzwischen einen Anruf von meinem Freund Mitsch, der endlich von Dominik und Brigitte, sowie Barbara und Akiko erreicht wurde. Wir machten aus, dass wir uns in Shinjuku (!) treffen würden. Also nach dem Theater sofort wieder zurück. Um 16.45 Uhr der Anruf. “Shinjuku – Westausgang”. Wir wollten an den beiden möglichen Ausgängen versuchen die vier zu treffen. Mitsch blieb am großen Westausgang und ich am kleinen. Ich entdeckte sie als erste. Gemeinsam machten wir uns auf den Weg zu Mitsch und dann gab es Sightseeing pur für unsere Freunde aus Regensburg. Zunächst ins Sumitori-Building, danach ins Rathaus jeweils auf die Aussichtsplattformen. Danach feierten wir im kleinen Park von Shinjuku ein Obonfest. Wir aßen die von den “Girl Scouts Tokyo” angeboten kleinen Köstlichkeiten. Angefangen von Kartoffeln mit Butter und Salz über gebratene Nudeln und kleine scharfe Maultaschen bis hin zu “Würstchen am Spieß”. Während dessen tanzten jung und alt japanische Volkstänze. Auch zwei Mädels von uns machten mit. Nachdem wir genug hatten gingen wir noch in ein kleines Gasthaus zwischen Shinjuku und Kabuki-Cho wo wir den Rest des Abends miteinander verbrachten. Kurz vor 24.00 Uhr verabschiedeten wir zuerst die Regensburger Gruppe, danach veabschiedete ich noch Mitsch am Zug und übrig blieb ich am Bahnhof. Aber ich hatte ja von allen den kürzesten Weg. Und auf selbigen machte ich mich nun auf um auch in mein Bett zu kommen. Denn morgen ist ja auch noch ein Tag. Und das ist der Sonntag auf den ich mich schon sehr freue. Denn da treffe ich die deutsche Gemeinde von Tokyo wieder mit allen mir vertrauten Gesichtern.
23.08.2009
Und wieder ist ein Morgen da. Ein wundervoller Morgen. Heute hab ich mir das Jurin gegönnt. Ein etwas kleineres Restaurant, aber umso freundlicher und liebenswürdiger! Auch ist es nicht so überlaufen und man bekommt sofort seinen Platz. Das Buffet war einmalig und ich denke das wird wohl mein bevorzugtes Restaurant! Nach dem ausgiebigen Frühstück ging es nach Meguro zum Gottesdienst in der deutschen Gemeinde. Es war wie immer spannend. Wer ist noch da, den ich vom letzten Jahr kenne, wer ist neu dazugekommen. Die Gemeindereferentin wird Tokyo wohl verlassen. Schade, dass ist ein echter Verlust für Tokyo und die Gemeinde. Mal sehen wer nachkommen wird. Den Gottesdienst durfte ich in Konzelebration mit Prof. Pater Mutz feiern. Er wirkt seit 35 Jahren an der Sofia-Universität in Tokyo. Nach dem Gottesdienst trafen wir uns noch ein wenig im Garten und plauderten und plauderten. Mit Harald, Maria und den Kindern war es dann doch schon sehr schön. Den gemeinsamen Wunsch ins Theater zu gehen konnte ich zwar nicht erfüllen, aber ich selbst habe mir erneut ein Musical gegönnt. Ja, zu den Japaner gehört das Musical einfach dazu, wie die Bento-Box (Die japanische Form der Tupperware, für das Essen unterwegs – nur eben schon einige hundert Jahre älter). Es wurde wieder einmal Tanz der Vampire im Imperial-Theatre von der Toho-Company gegeben. Eine sehr schöne neue Inszenierung. Auch die Musik scheint eine Generalüberholung erhalten zu haben. Frisch und sehr inspiriert gespielt, gesungen und getanzt. Ein echter Gewinn am Sonntagnachmittag. Es ist schon so. Das japanische Publikum geht ins Musical wie unsereins ins Kino.
Am Nachmittag trafen wir uns dann alle wieder in Harajuku. Dem Stadtteil für alles was eher modern, angesagt und ausgeflippt ist. Hier finden sich auch die Teenagerdie Cosplay-Zuku, die sich in ihrer Freizeit ihrer Leidenschaft für Anime, Manga und vor allem der visual-kei-Szene hingeben. Sie tragen Phantasiekostüme, Gewänder aus der Zeit Edward VII oder tauchen als Krankenschwestern auf. Sehr gerne schlüpfen sie auch in die Gestalt von Mangafiguren. Sie lassen sich feiern und am Abend nehmen sie dann wieder ihren Zug nach Hause in die Vorstädte und kehren so in den Alltag zurück.
Wir aber haben den Alltag noch nicht hereingelassen. In Shinjuku sind wir alle auf die andere Seite des Bahnhofs und der Schienen gegangen. Nach Kabuki-Cho, oder zumindest in die Nähe, denn heute wollten wir einfach einmal alle miteinander singen – karaoke. Nanako, die ich noch aus ihrer Regensburger Zeit kenne, führte uns zu einem relativ günstigen Karaokehaus und dort sangen wir dann zu siebt aus voller Brust. Selbst Mitsch zeigte hier große Sängerqualitäten mit seiner angenehmen Baritonstimme klangen die japanischen Lieder wirklich schön. (Wobei wir alle, soweit wir der Schrift mächtig waren eben mitgesungen haben!) Wer nach Japan kommt sollte das also unbedingt einmal mitmachen. Allerdings ist es erst dann wirklich schön, wenn Japaner mit dabei sind, denn dann kommen wir eben auch in den Genuß von japanischer Musik.
Also ein rundum wundervoller Tag, der ebenso schön und ruhig endete. Ich werde nun das Bett aufsuchen, denn auch morgen ist noch ein Tag, den ich genießen will.
24.08.2009
Seltsam ist das schon. Der erste Tag in Tokyo ohne irgendwelche Treffen. Aber auch mal ganz angenehm. Nur auf mich selbst aufpassen und die anderen werden schon wissen was sie tun. Zum Frühstück bin ich wieder ins Jurin gegangen. Ist wirklich eine gute und angenehme Atmosphäre. Auch wenn heute etwas mehr los war als gestern. Ich verstehe im Nachhinein nicht, warum ich die letzten Jahre dieses Restaurant so übersehen habe. Vielleicht ist der Mensch doch ein Gewohnheitstier?
Nach dem Frühstück habe ich noch ein paar Karten geschrieben und dann bin ich zu meinem “Nachbarn” dem Tokyo-Governement” gegangen umd im dortigen Fremdenverkehrsbüro noch ein paar Dinge zu erledigen. Danach habe ich mich aufgemacht nach Akihabara. Jodobashi, das große Elektronikkaufhaus muss wenigstens einmal besucht werden. Wenn man jetzt noch ganz viel Platz im Koffer hätte und ebensoviel Geld, dann könnte man hier einkaufen… Vom elektronischen Fingernagelschneider bis zur hypermodernen Spiegelreflexkameram vom neuesten iPhone bis zum 10.000 € PC gibt es alles was das Herz eines Elektrofans begehrt. Interessant war dann die kleine Nintendo-DS Ecke ausserhalb des Kaufhauses. Dort konnte man miteinander spielen. Einfach verrückt. Man sieht auch in der Metro oder in den JR-Linien Japaner die in der einen Hand das Handy offen haben, in der anderen Hand ein weiteres elektrisches Spielzeug. Und das ist dann auch noch völlig egal ob jung oder alt. War es vor einigen Jahren vor allem der iPod, der das Statussymbol war, ist es inzwischen schon (wieder) das Nintendo DS spielen angesagt, das jung und alt begeistert.
Es ist in der Tat eine verrückte Welt. Du kommst dir fast wie von einem anderen Planeten vor, wenn du nichts in der Hand hast und keine Kopfhörer in deinen Ohren stecken. Aber ebenso sieht man in den Zügen junge Leute, die fasziniert in einem Buch lesen und sich nicht einmal beim Aussteigen davon kurzzeitig trennen. Wenn auch bei uns die jungen Leute wieder sogerne lesen würden, dann wäre wieder ein Stück Welt mehr in Ordnung.
Nach diesem Ausflug in die Technik, bin ich Ochanomizu gefahren in die Straße der Musikinstrumente. Jedes Jahr schaue ich mir wieder die Querflöten von Yamaha bei “Kurisawa Wind” an und jedesmal kaufe ich mir dann wieder keine, obwohl die Preise so günstig wären. Aber vielleicht nächstes Jahr? Wer weiß. Nach diesem Ausflug in die Welt der Musik wollte ich noch kurz nach Hibya ans Takarazuka-Theater. Dieses Theater ist eine einmalige Institution. Es stammt ursprünglich aus Takarazuka, wurde vor 90 jahren gegründet und hat als Darsteller ausschließlich Frauen. In Tokyo gehört ein Besuch einer Revue oder eines Musicals im Takarazuka einfach dazu. Letztes Jahr besuchte ich die japanische Erstuafführung von “The Scarlett Pimpernell”. Eine heitere und auch erheiternde Aufführung, mit einer Viertelstunde Revue am Schluß. Man kommt sich nach Paris versetzt vor ins Moulin Rouge. Und wem die “Tillergirls” in Deutschland der zwanziger und dreißiger Jahre ein Begriff ist, kann sich vielleicht vorstellen wie das ist, wenn 100 Frauen im absoluten Gleichklang ihre Beine in Revuemanier wirbeln lassen. Allein der Anblick ist – unabhängig vom Inhalt des Tanzes – faszinierend.
Nun wollte ich also heute Karten kaufen, aber ich habe nicht bedacht, dass ja heute Montag ist, und da ist einfach geschlossen. Gegenüber dem bekannten Theater hat sich seit einigen Jahren mittlerweile die erste Männertruppe etabliert. Es sind sozusagen die männlichen Takarazuka-Tänzer. Hier werden die Aufführungen ausschließlich von Männern gestaltet.
Mittlerweile hat es leider angefangen etwas zu regnen und ich hatte – wie immer – keinen Regenschirm dabei. Also schnell zur Metro und heim ins Hotel. Aber dazwischen liegt ja noch Shibuya… Der Stadtteil mit der größten Kreuzung der Welt, bei der mitunter mehrer 1000 Menschen bei grün in allen Richtungen über die Straßen hetzen. Dieser Bahnhof in Shibuya erlebte in den zwanziger Jahren des letzten Jahrhunderts auch die Geschichte von Hachikō, dem Hund eines Professors. Jeden Tag holte ihn sein Hund ab. Als der Professor 1925 starb, zog dessen Frau aus Tokyo weg. Doch der Hund riss aus und suchte jeden Tag wieder den Westeingang des Bahnhofs auf, so wie er es auch zu Lebzeiten des Professors tat. Bereits 1934 wurde eine Statue zu Ehren des Hundes errichtet. Ein Jahr später starb der Hund. Heute ist die Tokioter Hachikō-Statue der wichtigste Treffpunkt für Verabredungen am Bahnhof Shibuya und einer der bekanntesten Treffpunkte von ganz Japan. Der westliche Bahnhofsausgang, an dem Hachikō immer gewartet hatte, heißt offiziell Hachikō Exit. Er führt auf den Platz zwischen der Bahnhofsstraße und der Einkaufsstraße Center-gai, einen der bekanntesten Plätze der Welt.
Nachdem ich also auch diesen Ort besucht hatte, ging es endlich heim. In einem der vielen Lokale am Bahnhof Shinjuku habe ich dann eine kalte Nudelsuppe gegessen, die sehr erfrischend war. Sogar Senf für das Fleich war dabei. Ich habe in meinem ganzen Leben noch nie so einen scharfen Senf gegessen, dass mir umgehend die Nase lief und die Tränen kamen. Aber was macht man da? In Japan ist es unhöflich die Nase in der Öffentlichkeit und ganz besonders beim Essen zu putzen. Also blieb nur das für uns Deutsche etwas unhöflich wirkende Hochziehen…
Und schon wieder ist ein Tag vorbei. Heute abend bleibe ich mal zu Hause. Nicht jeden Tag weg. Vielleicht auch ein bisschen schlafen. Mal sehen was so noch kommt. Und wie immer: Morgen ist ja auch noch ein Tag und da weiß ich schon wie der verbracht wird! Aber das erzähle ich erst morgen.
25.08.2009
Heute hat es die ganze Nacht geregnet. Doch jetzt scheint wieder die Sonne und die letzten Pfützen trocknen in Windeseile weg. Also nichts wie raus aus dem Hotel und hinein ins Gewühl. Aber erst nach einem guten Frühstück! Mein erster Weg führt mich heute wieder nach Shibuja. Dort soll es einen interessanten Fahrradladen geben. Ich suche ja immer noch nach Zubehör für mein Rad. Aber statt um 10.00 Uhr wie alle anderen Läden aufzumachen ist er heute geschlossen… Na was soll’s es wird doch wohl in Tokyo noch andere Läden geben, oder? Das ist nicht so einfach. Radfahren ist zwar in, aber dennoch gibt es kaum Shops für Rennräder, geschweige denn Zubehör. Dazu muss man dann in eine ganz andere Stadtteil fahren nämlich nach Akihabara/Ochanomizu. Da wollte ich aber eigentlich erst am Nachmittag hin. Deshalb noch einmal schnell nach Hibiya. Vielleicht gibt es ja heute noch Karten fürs Takarazuka. Aber leider auch heute nichts. Die Restkarten bekommt man ja eigentlich immer am gleichen Tag. Waren wohl wieder einige hunderte schneller als ich.
Was macht man da wohl am besten? Man geht ins nächste Kaffee und kauft sich eine Riesentasse heißer Schokolade. Das wiederum konnte die Verkäuferin überhaupt nicht verstehen. “Hotto?” ich: “Hai!” worauf sie völlig erstaunt kassierte und mir das Getränk übergab. Oft scheint es so, als müsste alles eiskalt getrunken werden. Für Japaner scheinbar selbstverständlich. Aber eisgekühlte “heiße” Schokolade schmeckt nunmal doch nicht so gut… Nach dieser wirklich guten heißen Schokolade bin ich nach Nihombashi. Dort habe ich mir den Suitengu-Schrein angesehen, der ja für ein gute Schwangerschaften und für eine gute und sichere Geburt – aber auch zur Vermeidung von Flutschäden aufgesucht wird . Der innere Zusammenhang zwischen Schwangerschaft und Geburt einerseits und Vermeidung von Flutschäden andererseits ist mir allerdings dort nicht klar geworden. Immerhin sah ich sehr viele junge Paare, die wohl darauf warteten Kinder zu bekommen. Dieser Schrein ist einer von sieben Schreinen der Glücksgötter in Nihombashi. Danach schlenderte ich ein wenig durch die alten Straßen des Stadteils Chuo vorbei an richtig schönen kleinen Holzhäusern und Geschäften und gelangte so zum Meijza-Theater. Dieses Theater hat eine alte Tradition von über 130 Jahren. Allerdings ist es heute in einem riesigen Neubau untergebracht, das eher einem Bankgebäude als einem Theater gleicht.
Da es mittlerweile schon Nachmittag war machte ich mich auf nach Ochanomizu. Dazu fuhr ich zunächst bis nach Akihabara um dann zu Fuß den Weg nach Ochanomizu entlang eines Flußes zu nehmen. Zwischendurch entdeckte ich wieder ein sehr interessantes CD-Kaufhaus mit einer riesigen Opernsammlung. Ich wußte noch gar nicht wieviele mir unbekannte Opern es gibt. Und vor allem woher diese Opern zu beziehen waren. Der Ausflug war in dieser Hinsicht mehr als bemerkenswert. In Ochanomizu angekommen machte ich mich auf die Suche nach der Straße mit den Sportgeschäften. Und ich entdeckte tatsächlich diese Straße. Aber wie ich schon befürchtet habe sind die Hauptsportarten eben doch eher Baseball, Golf, Laufen, Schwimmen, Surfen oder Skifahren! Nur ein einziges Geschäft führte Räder und Zubehör. Und diese Dinge waren anders als in vielen Fällen in Japan genauso teuer, wenn nicht so gar teurer als bei uns. Also nichts gewesen. Dafür fand ich dann doch noch ein Geschäft mit Sportbekleidung, die bei uns wesentlich teurer ist als hier…
Beladen mit Zeitschriften und anderem machte ich mich dann langsam auf den Heimweg. In Shinjuku angekommen ging ich dann mal wieder zum Sushiessen zu meinem “Lieblingssuhsirestaurant” Doch heute konnte man nur direkt bestellen, was aber nicht so schlimm war, da ich ja meine Sushispezialitäten benennen kann. Also hier ein bisschen Ebi, dort ein bisschen Salmon, hier ein wenig Tamago, dort ein Kappa-Maki und schon ist man satt. Den Abend verbrachte ich mal wieder zu Hause, denn die nächsten Tage werden mich wieder ein wenig mehr auf Trab bringen. Asakusa, die Kappabashidori, das Tokyo-Edo-Freilichtmuseum all diese Dinge warten morgen auf mich und da muss man dann doch ausgeschlafen sein.
26.08.2009
Heute ist der Tag ein wenig bewölkt und daher ist die Luft klarer und frischer als sonst. Das scheint der richtige Tag zu werden um einen “Museumsbesuch” zu starten. Die Frage allerdings wie ich zum “Edo-Tokyo-Open Air-Architectual-Museum” gelange überforderte zunächst die Concierge. “AH Edo-Tokyo-Museum?! The way is simple…” “No, no Edo-Tokyo-Open Air-Architectual-Museum!” “AH sososo…” Und schon warf sie sich über ihre Ordner und versuchte das Unmögliche Möglich zu machen. Die Hilfestellung, dass es wohl in der Nähe von Musashi-Koganei sein könnte (dort befinden sich übrigens auch die Ghibli-Studios, in denen so schöne Filme wie “Mein Nachbar Totoro”, “Prinzessin Mononke” oder “Chihiro” hergestellt wurden) half sofort. Sie fand in ihrem dicken Ordner einen japanischen Flyer. Den erklärte sie mir freundlicherweise, kopierte ihn und ich musste dann in Koganei selbst sehen, welche Busnummer dort wegfuhr, da der Flyer leider nicht allzuviel mehr aussagte. Ich kam mir vor wie beim Öffnen eines Überraschungseis. Genauso spannend aber relativ entspannend war auch die Fahrt nach Koganei (ungefähr eine dreiviertel Stunde (Aber immer noch Tokyo!) Dort war der gesamte Bahnhof im Moment eine Baustelle und der Flyer war Makulatur. Die Busse fuhren zwar aber nicht dort, wo sie stehen sollten. Gott sei dank beherrsche ich die Kunst des Fragens. Und da zufällig eine Polizeistation am Bahnhof war, habe ich einfach mal nachgefragt und auch sehr freundlich eine richtige Antwort bekommen. Da das Busfahren oftmals Schwierigkeiten bereiten kann, wenn man nicht genau weiß wo man hin will, oder weil man die genaue Station nicht mit Namen kennt, ist es immer auch ein wenig spannend ob man als Fremder auch genau dort ankommt wo man hinwill. Aber auch das gelang ohne große Probleme. Ich habe meine 190 Yen Fahrpreis bezahlt und musste dann nur sehr genau hinhören wann die richtige Station ausgerufen wird. Hat einwandfrei geklappt und fünf Minuten später war ich dann auch tatsächlich am “Edo-Tokyo-Open Air-Architectual-Museum”. Am Eingang ein Ticket am Automaten gezogen an drei sehr freundlichen Damen von der Information vorbei zum eigentlichen Eingang. Dort wurde die Karte entwertet und ich konnte mich hineinbegeben in ein Museum, dass ein bisschen versucht Einblicke zu vermitteln, wie man früher Häuser gebaut und darin gelebt hat. Vom Haus von Bauern und Samurai über das Haus des Stararchitekten Tokyos oder das Haus des ersten Ministerpräsidenten Japans, der von einem Soldaten später ermordet wurde, oder das Haus eines Fotografen, bis hin zu Geschäftshäusern wie Floristen, Kosmektika, Sojaprodukte und ein wunderschönes altes Badehaus. dazwischen konnte man immer wieder etwas selbst machen oder wie in einem Haus auch einen wirklich wundervollen Kirschblütentee trinken (das war wirklich der beste Tee, den ich seit langem zu mir genommen habe. Ich bitte alle Matchaliebhaber “sehr vielmals” um Vergebung”). Auch die Kinder kamen sicher neben all dem wissenswerten auf ihre Kosten, weil sie auch sehen und spielen durften, was Kinder zum Beispiel noch Anfang des 20. Jahrhunderts spielten. Also die Zeit vor der elektrischen und technischen Revolution! Kein Nintendo, kein Handy, sondern einfach einmal Reifenschlagen, Geschicklichkeitsspiele und vieles mehr. Als ich dann auf die Uhr schaute, war der Tag schon wieder fast vorbei. Ich hatte sage und schreibe sechs Stunden in diesem Museum verbracht und habe mich keine Minute gelangweilt. Wenn man nun glaubt die Häuser seien alle nachgebaut, der irrt. Das sind alles Originalhäuser, die dem District Tokyo geschenkt wurden. Zum Teil waren die Häuser noch keine 50 Jahre alt. aber jedes Haus repräsentierte einen bestimmten Stil und war für die Zeit von großer Bedeutung. Entweder als typisches Beispiel oder eben weil in diesem Haus eine bedeutende Familie lebte.
Nach dem Besuch des Museums wagte ich den Fußweg zurück zum Bahnhof und schaffte es ohne große Probleme. Manchmal frage ich mich schon, warum man lieber zwanzig Minuten auf den Bus wartet, dann 10 Minuten fährt, anstatt doch hin und wieder gleich zu Fuß zu gehen. Jedenfalls bin ich da häufig schneller vorwärts gekommen als mit dem Bus. Aber auch das ist wie immer eine ganz persönliche Einstellung. Und ich denke schon, dass eben manche Wege mit der Subway oder dem Bus einfacher zu bewältigen sind als zu Fuß.
Der Zug kam pünktlich und ich fuhr noch einmal nach Ochanomizza, denn die Sportgeschäfte hatten es mir doch angetan. Waren doch auch die Preise um einiges günstiger als bei uns in Deutschland. Ein wenig nur habe ich mir dann auch etwas gekauft und stolz und glücklich nach dem schönen Tag kehrte ich ins Hotel zurück. Zwischendrin noch schnell eine gute Nudelsuppe geschlürft (ein besonderes Zeichen, dass es schmeckt) und dann ins Hotel, da noch einiges an Terminen auf die Reihe zu bringen war.
27.08.2009
Der Donnerstag war eigentlich für etwas ganz besonderes geplant, doch auf Grund der plötzlichen Erkrankung der zu Besuchenden plante ich ein wenig um und machte mich noch einmal auf um meinen Regensburger Freunden in Kyoto einige geheime Ecken zu zeigen und ein paar kleine Kniffe beizubringen. Schon in aller Herrgottsfrühe ging ich zum frühstücken. Aber auch da waren schon sehr viele Menschen vor mir am Buffet. Da die Zeit ein wenig drängte damit ich den Zug in Shinagawa noch erreiche und es ja schon Stoßzeit der Anreise der Angestellten und Beamten war gab es diesmal nur ein kleines Frühstück… Nach einer schnellen Fahrt mit dem Nozomi 700 (Shinkansen der neuesten Generation) kam ich nach knapp 2,5 Stunden (oder über 580 km) in Kyoto an. Manchmal denke ich mir schon, wie man das täglich aushält, wenn man zum Beispiel in Kyoto lebt und in Tokyo arbeitet. Auch wenn man alle 5 bis 10 Minuten eine Direktverbindung hat, ist das dennoch ein wirklicher Wahnsinn, was der Durchschnittsangestellte in Japan im Zug verbringt. Meine Freunde waren hoch erfreut, dass ich mir Zeit nehme und ihnen Teile Kyotos zeige, die sie wahrscheinlich alleine so schnell nicht gefunden hätten. Immerhin durchquerten wir Kyoto einmal von Süden nach Norden und wieder zurück. Ohne die Eisenbahn wäre auch dies nicht so einfach gegangen. So zeigten ich Ihnen noch einmal den Fushimi-Inari-Schrein und den Tenryuji-Tempel in Sagano-Arashiyama mit dem berühmten Bambuswald. Da auch hier der Tag sehr schnell zu Ende ging, zeigte ich dann noch als Abschluss den Toji-Tempel (diesmal allerdings ohne Markt) und dann gingen wir noch gemütlich zum Okonomiyake essen. Die drei begleiteten mich dann noch zum Zug und um 19.29 Uhr verließ ich zum zweitenmal in diesem Urlaub die Stadt Kyoto in Richtung Tokyo. Um 22.40 war ich dann wieder zuhause. Für morgen ist der Besuch der deutschen Schule in Yokohama angesagt und da muss ich ja dann doch frisch und ausgeschlafen sein. Daher begebe ich mich jetzt in mein Bett.
28.08.2009
Komisch, obwohl ich so spät (01:15) ins Bett gegangen bin, war ich heute morgen (04.15) schon wieder richtig wach. Und wenn ich sage wach, meine ich das auch so. Die Sonne ging gerade so gemütlich auf und ich dachte mir, dass wird heute aber heiß. Und so war es auch. Nachdem ich wieder einmal herzhaft gefrühstückt habe (bin ja schon gespannt wieviel ich eigentlich zugenommen habe) musste ich leider das teure Business-Center in Anspruch nehmen, denn ich habe mir ja die Anfahrtsbeschreibung nach Yokohama auf einen Stick geladen. Unten habe ich dann wieder erkannt, dass auch in Japan nicht alles Mac ist (schnief) und wieder rauf in den 11 Stock Southtower. Stick nochmal auf Windows formatieren und wieder die PDF’s laden. Wieder runter ins Center – jetzt ging es. Aber jeder Seite kostet 20 sec… naja ich wollte ja auch kein Buch ausdrucken. Aber wie sagt man so schön, “die nehmen’s von den Lebendigen”. Mit der richtigen Beschreibung in der Hand, “geschniegelt und gebügelt” ging es dann auf ins Gewühl der Subway. Hauptverkehrsstoßzeit. Ungefähr 1,8 Mio. Menschen im Zeitraum von 1 Stunde. Je nach Quelle wird er täglich in der Stoßzeit von einer bis vier Millionen Passagieren genutzt. Denn gerade in der Stoßzeit am Morgen steigen im Durchschnitt pro Sekunde etwa 500 Menschen auf den ca. dreißig Bahnsteigen ein oder aus. Diese Zahlen sind zwar nicht offiziell, aber die Menschendichte spricht dafür, dass dieser Bahnhof tatsächlich soviele Menschen täglich kommen und gehen sieht. Damit ist er der Bahnhof mit dem größten Passagieraufkommen auf der ganzen Welt! Trotzdem kann man sich aufgrund des sehr guten Leitsystems (fast) nicht verlaufen. Und wenn man einen Treffpunkt ausmacht, dann findet man sich auch mit Sicherheit an diesem Treffpunkt. Und das obwohl eigentlich zu allen Zeiten ein Gehetze und Geschiebe ist.
Tja und ich wollte also mitten in dieser Stoßzeit den Weg nach Yokohama finden. Zum Einstieg war es ja fast ein Kinderspiel. Ich fuhr ja stadtauswärts mit der Yamanote Line bis Shibuya. Dann aber mit einer Privaten Linie weiter. Eigentlich sollte es ja die Tokyu Denentoshi Line (Express) nach Azamino werden aber die fuhr mir gerade vor der Nase davon, als statt 20 min Fahrzeit 40 min mit der Local. Das bedeutete jede Haltestelle (und das sind 13 Stück) mitzählen… Der Fahrpreis war wirklich erschwinglich. Nur 280 Yen (100 Yen ca 0,75€) In Azamino musste ich dann die Yokohama U-Bahn (blue line) nach Nakamachidai. Und da war es dann das Problem. Ausserhalb der U-Bahn hatte ich keine Zeit mehr nachzusehen, welche Station Nakamachidai war. Und drinnen war alles in Kanji geschrieben. Toll! Und was nun? Der kluge Mann baut vor und hat natürlich wenigstens ein bisschen Japanischkenntnisse dabei :-) und Kanji kann man ja durchaus vergleichend anschauen und dann könnte sich ja was ähnliches ergeben. Tatsächlich war bereits die zweite Station ein Ort Nakagawa. Damit war die erste Hälfte meiner Station gewonnen und ich probierte es mit der fünften Station und genau die war es dann auch. Und der Weg zur Schule war auch nicht mehr so schlimm. Ich musste eigentlich bloss im Windschatten der Eisenbahn laufen und schon war ich da. Pünktlich wie geplant zur Pause um 9.30 Uhr. Mein Eindruck von der Schule, seinen Lehrern und dem Schulleiter war ausgesprochen positiv. Die Schule selbst zählt zu den ältesten Auslandsschule in Ostasien und war ursprünglich im Zentrum der Stadt Tokyo angesiedelt. Später verkaufte man die alte Schule und das Grundstück und baute in Yokohama die neue Schule mit Kindergarten, Grundschule und Gymnasium. Zur Zeit sind etwa 480 Kinder im Kindergarten und in der Schule. Für deutsche Verhältnisse sicher mehr als ungewöhnlich aber hier ein schönes Miteinander, zumal die älteren Schüler auch mit herangezogen werden zum Beispiel in der Betreuung im Schulbus. Für deutsche Schüler fast unglaublich, aber die Schüler haben alle im Durchschnitt von 7.55 Uhr bis 16.25 Schule! Da würden manche bei uns ganz schön wahnsinnig werden. Und wenn die Schüler dann nach Hause kommen gilt es auch noch Hausaufgaben zu machen. Nehmen wir den ungünstigsten Fall. So muss ein Schüler vielleicht spätestens um 7.00 Uhr am Schulbus sein und bis er dann abends zuhause ist könnte es vielleicht schon 18.00 sein. Hier muss ich wirklich die Kinder bewundern, die wesentlich weniger Freizeit haben als die Schüler an meiner Schule. Ein Schüler der 5. Klasse beantwortete meine Frage: “Ob dies nicht sehr anstrengend sei, so lange Schule zu haben” schlicht und einfach mit den Worten: “Man gewöhnt sich daran.” Wer also glaubt dass das Schülerdasein (und sicher auch das Lehrerdasein) im Ausland aus Ferien und Strand besteht der weiß nicht, wie anstrengend es sein kann in einem heißen und schwülen Klassenzimmer zu sitzen und auch draußen kaum andere Luft zu bekommen. Müde wird man in jedem Fall. Meine Hochachtung gilt der Schulleitung und den Lehrern, aber auch den Schülern, die es fertig bringen eine gute Schulgemeinschaft auf die Beine zu stellen unter Bedingungen, die sicher nicht einfach sind. Alleine aus diesem Grund würde es sich lohnen an dieser Schule zu arbeiten.
Nach einem gemütlichen Mittagessen mit meinem alten Freund Harald ging es dann wieder zurück nach Shibuya. Diesmal hatte ich das Glück alle Expresszüge zu erreichen und war nach sage und schreibe 40 min bereits an meiner nächsten Verabredung in Akasaka. Tja wie es manchmal so geht besteht ein Tag eben nur aus Verabredungen und wunderschönen Gesprächen. Den Abend werde ich heute bei ISAO und Mitsch verbringen. ISAO ist ein kleines gemütliches Lokal direkt am Bahnhof Shinjuku mit einem tollen Blick auf eine sehr belebte Kreuzung. Mitsch und ich waren dort bereits einmal im letzten Jahr und ich freue mich auf heute Abend. Denn den werden wir ganz gemütlich ausklingen lassen. Und so werde ich nach diesem erreignisreichen Tag ins Bett sinken und morgen noch ein bisschen Sightseeing betreiben. Oder ich gehe ins Nissay-Theater. Dort wird ein Musical namens Jane Eyre gegeben. Aber da ist auch morgen erst Premiere. Mal sehen vielleicht gibt es ja noch einen kleinen Platz. Denn das Nissay als Mehrspartenhaus (Musical, Oper, Ballett und Schauspiel) hatte bislang in den letzten acht Jahren nie eine Vorstellung wenn ich da war… Irgendwann aber wird es mir ins Netz gehen und dann werde ich auch drinnen sitzen und die Vorstellung genießen. Oder ich gehe in einen Akt des Kabukitheaters an der Ginza. Oder, oder, oder…
29.08.2009
…oder man macht alles ganz anders. Als ich heute morgen aufstand, sagte mir der klare blaue Himmel: “Heute wird es heiß!” Und so war es dann auch. Nach dem Frühstück habe ich mir überlegt, ob es denn nicht schön sei, einmal wenigstens an das Meer zu fahren. Gesehen habe ich es ja immer von weitem, aber ein bisschen frische Seeluft wäre doch schön. Also kurzerhand alle Pläne umgeschmissen und mit der JR Shonan Shinjuku Line nach Yokohama gefahren. Das man da in einer anderen Stadt und in einer anderen Präfektur ist merkt man eigentlich nicht. Denn die Städte gehen übergangslos ineinander. Nun wie gesagt es war schon am frühen Morgen heiß und es sollte noch heißer werden. Denn in Yokohama stand bereits die Luft und es war schier u erträglich. Erstmals in diesem Urlaub habe ich mir sogar meine Mütze auf den Kopf gesetzt. Dann ging es zumindest da oben etwas schattiger zu… Yokohama feiert in diesem Jahr die 150. Wiederkehr der Öffnung des Hafens. Und genau an diesem Wochenende waren die Hauptfeierlichkeiten angesetzt. Das allerdings wußte ich zu diesem Zeitpunkt noch nicht. Und so führte mich mein Weg zunächst in die Chinatown. Sie gilt als die weltweit größte mit über 500 Restaurants und Lebensmittelläden. Zum Schauen gab es daher eine ganze Menge. Aber ich wollte ja ans Meer, deshalb verließ ich Chinatown auch recht bald in Richtung Park am Meer. Wenn ich nun hoffte dort ein wenig Abkühlung und eine frische Brise abzubekommen, dann hatte ich mich mehr als getäuscht. Es war nur heiß und schwül und ab und zu ein frisches Lüftchen. Dafür gab es eine interessante Unterhaltung in Form einer Regatta für Kinder. Mir schien als hätten sie zu diesem Zweck erstmal das Rudern lernen müssen. Es war recht amüsant zu sehen wie schnell oder auch langsam die Kinder die Riesenboote (sie sahen aus wie die Rettungsboote der Titanic= unter Anfeuern der Eltern und der Begleiter auf den Booten vorankamen. Aber sie legten sich zu richtig ins Zeug. Und der Jubel der “siegreichen” Eltern war riesengroß. Mein Weg führte mich dann weiter nach Minato Mirai. Dort konnte ich die riesigen Wolkenkratzer wie den Landmark Tower oder auch das größte Riesenrad der Welt bewundern. Dieses Gebiet entstand erst nach Aufschüttung ins Meer nach dem großen Kantoerdbeben in den zwanziger Jahren des letzten Jahrhunderts. Es ist überhaupt bemerkenswert dass man sich traut in einer der aktivsten Erdbebenzonen der Welt solch große Gebäude zu bauen. Dennoch wagt man es und scheint auch eine gute und ausgereifte Technik hierfür entwickelt zu haben. Selbst als in Kobe in den neunziger Jahren bei einem Erdbeben die halbe Stadt zerstört wurde muss man sagen, dass die neuen Gebäude dieses Erdbeben gut überstanden hatten. Nur die alten und kleinen Gebäude wurden hauptsächlich aufgrund ihrer Beschaffenheit aus Holz und dem engen Beisammenstehen ein Raub der Flammen durch ausgebrochenen Brände. Yokohama gilt heute so ein bisschen als die Vorzeigestadt in Japan. Modern und aufgeschlossen präsentiert sie sich dem Besucher. Und am Abend laden viele Restaurants und Vergnügungsmöglichkeiten auch die Tokioter nach Yokohama ein.
Nach diesem Besuch in Yokohama ging es dann wieder nach Hause. Denn heute ist ja mein vorletzter echter Urlaubstag in Japan und langsam muss ich halt mal schauen, wie ich meinen Koffer packen werde. Da gibt es diesmal sicher einige Überraschungen beim Einpacken. Und am Abend bin ich mich ja mit Harald und Maria zum Essen verabredet. Und es wurde ein wunderschöner Abend bei Yakitori im 51. Stockwerk des Sumitomi-Buildungs. Den Abend ließen wir bei einem Longdrink in meinem Hotel im Angesicht des nächtlich erleuchteten Tokyos ausklingen. Morgen ist ja auch noch ein Tag, wenn auch der letzte echte Urlaubstag in Japan während meines diesjährigen Aufenthalts hier.
30.08.2009
Wie man sieht ist heute bereits Sonntag und im Moment ist es hier in Tokyo 6.00 Uhr. Der letzte Urlaubstag – denn den Abreisetag kann man wohl ja nicht als Urlaubstag bezeichnen – und es steht der Gottesdienst in der deutschen Gemeinde an. Harald sagte mir, dass er heute Lektor sein wird. Und so werden zwei Harald’s heute den Gottesdienst bestreiten. Ich freue mich schon darauf. Danach wird es wohl den üblichen Kaffee und Kuchen im Garten der Schwestern geben und vielleicht kann ich im Anschluß daran noch die neue Wohnung von Harald und seiner Familie besichtigen. Das werden wir dann aber noch sehen. Jetzt aber werde ich mich dann fertig machen und frühstücken. Ich habe das Frühstück im Jurin wirklich genossen und werde wohl auch beim nächsten Mal das Jurin zu meinem Stammlokal machen!
Es ist jetzt mittlerweile Abend und ich bin zum letzten Mal für dieses Jahr mit der Yamanote Line nach Shinjuku zurückgekehrt. Irgendwie macht mich das immer traurig, wenn ich am Ende eines Urlaubs so meine letzten Wege mache. Was ist heute noch passiert? Zunächst einmal: Es regnet! Wie immer ist mein Abschied aus Japan verregnet. Auch das scheint langsam gute (oder zumindest nasse) Tradition zu werden. Es ist deutlich kühler als gestern und es soll ein Taifun auf Japan zukommen. Ob ich das wie im letzten Jahr auch wieder “genießen” werde, weiß ich noch nicht, da muss ich wohl noch bis morgen warten. Der Tag begann also wie ich oben schon vermerkt habe mit einem Superfrühstück (Schade, dass ich zuhause in Deutschland all diese Köstlichkeiten nicht habe. Aber umso mehr freue ich mich dann auf den Urlaub in Japan, da ich diese Köstlichkeiten dann wieder genießen darf!) Danach machte ich mich auf den Weg nach Nakameguro. Irgendwie war heute alles etwas anders. Kaum Menschen auf der Straße und das obwohl doch auch der Sonntag in Japan ein ganz normaler Arbeitstag ist. Ausser natürlich den Ämtern, die sind Sonntags zu. Wobei ich mir heute nicht ganz sicher bin. In Japan ist heute Wahltag! Da werden wohl die Beamten auch arbeiten müssen. Wie immer war ich zu früh an der Kirche und habe mich noch ein bisschen in den Garten des Schwesternhauses gesetzt. Um kurz nach 10.00 Uhr kamen dann langsam die Gläubigen und heute musste ich ja wieder von meiner kleinen jap.-deutschen Gemeinde Abschied nehmen. Auch Pater Plott war da und genoß es mir zuhören zu können. Am Ende sagte er so schön: Da werde ich jetzt die ganze Woche einmal nachdenken müssen. Na hoffentlich habe ich nicht zu sehr an den Grundfesten gerüttelt. Aber es war schon ein sehr herzlicher Gottesdienst. Wie ich es ja immer wieder auch bei meinen Minis erleben durfte, hatten die Minis beim Reinigen des Kelches wohl Angst, dass ich verdurste und kippten kurzerhand das gesamte Wasser in den Kelch. Naja vielleicht glaubte er ich hätte Durst… Nach dem Gottesdienst gab es dann tatsächlich wieder das Treffen im Garten. Es war geprägt von Abschied aber auch von Wiedersehen mit Gemeindemitgliedern. Manch einer verabschiedete sich sehr herzlich von mir. Erheiternd war für mich, dass ich auch hier spüren konnte wie klein die Welt doch ist. Eine Familie aus der Gemeinde stammte aus Wenzenbach. Und die Eltern der Ehegattin leben wohl noch dort. Und da meine Schwester ja auch dort wohnt gab es sofort wieder einmal gemeinsame Anküpfungspunkte. Nach diesem sehr schönen Zusammensein wurde ich dann noch von Harald und Maria eingeladen ihr neues Domizil anzuschauen. Vorher aber gingen wir noch shoppen. Ich wollte unbedingt den scharfen Senf mitbringen. Aber da war wieder einmal das berühmte Suchen nach der Stecknadel im Heuhaufen. Sprich: Welcher Senf ist jetzt so richtig scharf? Da hier zwei Männer einkauften wäre es vielleicht nicht schlecht gewesen, wenn Maria uns zur Seite gestanden wäre. Aber ich werde zuhause in Deutschland gaaaanz vorsichtig probieren…
Nach dem Einkaufsbummel ging es dann noch ins alte Haus von Harald und Maria. Danach ins neue. Ein großer Unterschied. Mit einem kleinen Innenhof. Zwar insgesamt nicht soviel Holz wie im alten Haus, dafür aber viel heller. Ich denke die beiden haben einen guten Fang gemacht, zumindest wünsche ich es ihnen von Herzen. Nach einem kleinen Imbiss, brachte mich Harald dann nach Ebisu, wo ich mich sehr herzlich verabschiedete. Der Weg führte mich dann nach Hause und jetzt sitze ich zum letzten Mal in meinem Urlaub am MacBook und schreibe meine letzten Zeilen über diesen Urlaub. Morgen ist ja dann um 7.50 Uhr Abfahrt mit der Friendly Limousine und dann geht ja der Flug um 12.20 Uhr. Gerade habe ich mich eingecheckt und es waren nur noch 4 Plätze frei. Jetzt sitze ich mal in der 39 Reihe. Vielleicht erwische ich noch einen Blick auf den Fuji, den ich leider in diesem Jahr nicht besucht habe. Mal sehen, was das nächste Jahr bringt.
Gleich werde ich mich über den Koffer hermachen und versuchen alles irgendwie unterzubringen. Da wird wohl mein Herz an der einen oder anderen Zeitschrift noch ein wenig traurig sein. Aber irgendwo ist ja doch auch das Gewicht begrenzt und leider auch der Platz in meinem Koffer.
Dies war also der Bericht meiner Japanreise und ich hoffe er hat ein bisschen Appetit auf dieses wunderschöne Land mit seinen freundlichen Menschen gemacht und was man so alles erleben kann, wenn man sich auf dieses Land einlässt.
Japan ist sicher nicht das touristische Reiseziel der Deutschen. Es fliegen mit Sicherheit mehr Japaner nach Deutschland als Deutsche nach Japan. Aber wer einmal hier war, der wird – vorausgesetzt er ist mit offenen Augen und offenem Herzen hergekommen – sich an die Zeit hier immer gerne erinnern und vielleicht auch einmal wieder hierherkommen. Ich freue mich jetzt schon auf ein Wiedersehen mit all meinen Freunden und Bekannten hier in Japan.
さようなら 私の親しい友人。来年まで。
(Auf Wiedersehen liebe Freunde. Bis nächstes Jahr)




