“1776: Regensburg liegt gar schön, diese Gegend musste eine Stadt herlocken…”
(Johann Wolfgang von Goethe)
Vorne weg ein Geständnis: Ich bin mit Leib und Seele ein Regensburger und werde immer einer sein. Auch über die Jahre meiner Wanderschaft als Soldat und auch als Geistlicher habe ich immer meinen Bezug zu dieser für mich “schönsten aller kleinen deutschen Großstädte” aufrecht erhalten. Wenn man in so einer Stadt geboren ist, hat man einen anderen Bezug zur Schönheit einer gewachsenen historischen Stadt, als wenn man in einer Großstadt geboren wurde, die durch den zweiten Weltkrieg zerstört und dadurch ihr Herz verloren hat.
Regensburg , “das mittelalterliche Wunder Deutschlands” hatte Glück. Die Vergangenheit ist lebendig geblieben, der zweite Weltkrieg mit seinen Bomben hat es weitgehend verschont. Sicher, Teile Regensburgs fielen auch in Schutt und Asche, sogar in den letzten Tage Regensburgs versuchte man noch die Steinerne Brücke zu zerstören (Gott sei Dank gelang es nur an einem Bogen), die weitaus größeren Sünden an der Stadt verursachte jedoch der moderne Bauboom der 70er Jahre, als man alte Häuser einfach abriss, um neue ziemlich unorganische in ihrer Umgebung wirkenden Betonklötze in das Zentrum der Stadt stellte.
Gehen wir aber nochmal zurück in die Vergangenheit. Als 179 n. Chr. die Römer hier am Knie der Donau beim Zusammenfluss von Regen und Donau ein Militärlager unter dem Namen “Castra Regina” (Lager am Regen) errichteten, konnten sie sicher nicht ahnen, dass sich hier eines Tages die älteste bayrische Hauptstadt, und Bischofs- und Residenzstadt befinden würde. Und dass mit der Erhebung zur Freien Reichsstadt (1245-1802) die Bedeutung Regensburgs noch anwuchs und schließlich, dass hier in Regensburg mit der Errichtung des “Immerwährenden Reichstags” (1663-1806) der Vorläufer des Europäischen Parlamentes entstand.
Ich denke es ist nicht untertrieben zu sagen, dass sich hier in Regensburg ein Zentrum europäischer Macht befand. Viele Sprichwörter entstanden auch auf Grund der historischen Begebenheiten hier in Regensburg. So befand sich hier im Reichstag die berühmte “Lange Bank” auf die man so manches (vor allem allzu lästige Arbeit) schob und die Kurfürsten trafen sich im Kurfürstenzimmer um dort vom “grünen Tisch” zu entscheiden. Man sieht, es hat sich nichts geändert…
Ich möchte Sie nun gerne in meine Stadt entführen. Einen Rundgang in der Stadt machen und abschließend die Stadt Regensburg von den Türmen unserer Stadt betrachten. Viel Vergnügen und sollten Sie Interesse zeigen diese Traumstadt zu besuchen, dann können Sie sich jederzeit an das Fremdenverkehrsamt wenden oder über das Internet unter http://www.regensburg.de
Also auf Wiedersehen in Regensburg
Mein ganz persönlicher Stadtbummel durch Regensburg
Eines der schönsten Bauwerke Regensburgs ist die berühmte Steinerne Brücke. Um 1135 unter dem Welfenherzog Heinrich dem Stolzen errichtet, ist sie die älteste Steinbrücke über die Donau. Ursprünglich war sie mit 16 Bögen 350 m lang. Von den drei Brückentürmen steht heute nur noch der am Südende.
An dieser Stelle kam auch der deutsche Kaiser immer in die Stadt, wenn er von Westen über Nürnberg nach Prag reiste. In den letzten Kriegstagen 1945 wurden die ersten beiden Brückenbögen gesprengt, da man den Alliierten den historischen Zugang verweigern wollte.
Vom Norden kommend betritt man die Brücke über Stadtamhof, der alten bayrischen “Statt am Hof”. Dabei muss man am alten Bruckmandl vorbei. Diese Stelle war zugleich Zoll. Das man nun die alte Reichsstadt betritt ist deutlich an den Wappen erkennbar. Nicht nur dass das Bruckmandl sehnsüchtig nach Regensburg auf den Dom schaut, auch Bayern schielte mehr als sehnsüchtig auf ihre alte Hauptstadt.
Hier der Blick des Bruckmandls von der Steinernen Brücke von West nach Ost auf die Altstadt von Regensburg
Thundorfer Strasse – Brücktor – Altstadt mit Resten der Stadtmauer
Traidlweg an der Donau – St. Oswald
Über die Brückstrasse vorbei am alten Regensburger Salzstadl gelangt man in die nach Osten führende Thundorferstrasse, bzw. in die nach Westen führende Keplerstraße, in der sich die meisten Gasthäuser der Stadt befanden. Im “Weißen Lamm” unmittelbar an der Donau, kehrte einst der geheime Rat J.W.von Goethe unter dem Namen Kaufmann Möller ein. Eine Tafel weist stolz daraufhin:
“Ich altes Haus, einst wohlbekannt,
zum weißen Lamm ward ich benannt.
Ich bin auch wirklich zu beneiden,
in mir wohnten Mozart, Goethe, Haydn”
Ob Mozart und Haydn wirklich hier wohnten ist nicht mehr nachzuvollziehen. Goethe schreibt es in seiner Italienischen Reise selbst nieder und es ist auch ein Glasfenster erhalten geblieben, in das er angeblich mit seinem Diamantring einen franz. Vers einkratzte.
Diesem ehrwürdigen alten Gasthaus mit einer prächtigen Barockfassade steht mein erstes Wohnhaus an der Ecke Thundorferstrasse – Weiße Hahnen-Gasse gegenüber, das ich seit meiner Geburt bis kurz vor dem Abitur bewohnte. Äußerlich unscheinbar, beherbergt es doch einige äußerst selten profane Barockfresken von hohem künstlerischen Rang. Das prächtige Treppenhaus und die historische Uhr in diesem bürgerlichen Privathaus zeugt vom Reichtum seiner ehemaligen Besitzer.
Der Duft von Bratwürsten liegt mir noch heute in der Nase, denn über der Strasse befindet sich die älteste erhalten Bratwurstküche Deutschlands: die “Historische Wurstküche”. Sie ist in die Reste der alten Stadtmauer eingebaut und diente vermutlich bereits den Bauleuten der Steinernen Brücke als Kantine .
“Unter den Schwibbögen”, so heißt seit altersher, diese schmale Straße an der historischen Römermauer. Den Namen hat sie wohl von den Bögen, die einst von einer Seite zur anderen Seite die Straße überspannten. Eingebaut in den historischen Bischofshof finden sich Reste der 1887 wiederentdeckten Römermauer. Das Gebäude selbst diente bis 1806 als Bischofshof.
Im Jahre 179 n.Chr. errichtete der römische Kaiser Marc Aurel das römische Lager “Castra Regina”, das Kastell am Regen. Ein Doppeltor mit zwei wuchtigen Tortürmen ließ die Menschen vom Fluss aus in die Stadt. Im Laufe der Jahrhunderte wurden die römischen Steinquader als Steinbruch verwendet und so verschwanden große Teile der Römermauer. Auch für den Bau des Regensburger Doms wurden die großen Quader einst verwendet.
Weiter geht es über die Niedermünstergasse zum alten Damenstift “Niedermünster” mit der romanischen Kirche “Niedermünster”, meiner Heimatpfarrei. In den siebziger Jahren entdeckte man bei Ausgrabungen in der Kirche Reste von insgesamt sieben verschiedenen Bauwerken übereinander. Hier wurde auch einer der ersten Regensburger Bischöfe, der Hl. Erhard begraben. In den Gebäuden des ehemaligen Damenstiftes befindet sich heute das bischöfliche Ordinariat.
Vorbei an der Kirche und dem Kloster der Armen Schulschwestern gelangt man auf den Kornmarkt, einer der vier historischen Regensburger Marktplätze (Kornmarkt, Kohlenmarkt, Watmarkt, Fischmarkt). Früher stand dieser Platz unter der Jurisdiktion der Bamberger Bischöfe. Historisch gesehen ist es einer der wichtigsten Plätze in Regensburg.
Am Ostende des Platzes befindet sich das Karmelitenkloster St. Josef, in dem seit dem 18. Jahrhundert nach einem Geheimrezept ein Klostergeist hergestellt wird.
Im Süden des Platzes befindet sich die Alte Kapelle, die seit den Zeiten Kaiser Heinrichs II. dem Erzbistum Bamberg gehörte und erst nach der Sakularisation wieder zum Bistum Regensburg zurückkam.
Die Alte Kapelle wurde in den letzten Jahren unter ungeheurem Kostenaufwand restauriert und zählt heute zu einer der schönsten Kirchen Regensburgs. Das Deckenfresko zeigt das, in einer Seitenkapelle aufbewahrte Gnadenbild. Das Gnadenbild wird von der Tradition dem Evangelisten Lukas zugeschrieben.
Wenn man nun nach Westen blickt, sieht man die alte herzogliche Pfalz. Es handelt sich dabei um das wohl bedeutendste weltliche Gebäude in Regensburg. es ist älter als der historische Reichssaal. Als Pfalz der Agilolfinger war der Herzogshof nicht nur die erste bayrische, sondern auch die erste deutsch Residenz-. Karl der Große erhob den Herzogshof zur wichtigsten Kaiser- und Königspfalz im süddeutschen Raum. Der Bau des Gebäudes fällt in die Zeit Ludwig des Kelheimers um 1220. Es beherbergt im Inneren den großen romanischen Herzogssaal mit romanischen Fenstersäulen und – doppelarkaden und einer großen gotischen Wappendecke. Ein Schwibbogen führt zu dem mit großen Quadern aus der Römermauer erbauten sog. “Römerturm”. Hier wurden im zweiten Weltkrieg die wertvollen Glasfenster des Regensburger Doms ausgelagert.
Nun führt uns der Weg unter dem Schwibbogen hindurch an der Ulrichskirche vorbei zum Domplatz. Die alte Kirche ist ein frühgotischer Bau aus der Zeit um 1230. Das besondere an dieser Kirche ist der begehbare umlaufende Emporenbereich, sowie die hervorragend erhaltene Freskomalerei. Seit der Säkularisation dient diese Kirche zunächst als Depot für die Dombauhütte und seit der Renovierung ist sie Statiokirche des Domkapitels.
Der Domgarten in Regensburg ist ein für Fotografen vielgeliebter Ort. Bietet dieser ehemalige Domfriedhof doch viele interessante Blickwinkel auf den Ostchor des großen gotischen Domes. An der Nordseite befindet sich das alte Domkapitelhaus mit seinem Doppelkreuzgang, sowie der Allerheiligenkapelle, der Michaelskapelle und den “alten Doms” St.Stephan. Auf den alten aufgelassenen Friedhof baute man Ende des 19. Jahrhunderts die Dombauhütte. Dort werden noch heute die großen Kalksteinquader zur Bearbeitung aufbewahrt um dann nach einer Lagerzeit von mindestens einem Winter behauen zu werden. Zur Zeit ist die große Kreuzblume der Südturmspitze aufgestellt.
Der Regensburger Dom ist ein Meisterwerk der Gotik aus der Zeit um 1248. Die Leistung der Dombaumeister kann dabei nicht genug bewundert werden, da sie das Problem meistern mussten an die Stelle des alten romanischen Doms den neuen gotischen Dom zu erbauen.
Eine weitere Meisterleistung ist die erstmals in Deutschland erfolgte völlige Durch- brechung der Chorwände, um soviel Glasfenster wie möglich einzubauen. Mit diesem Bau hat Bayern das Hauptwerk der Gotik erhalten.
Geht man nun wieder aus dem Domgarten hinaus steht man auf dem großen Domplatz. Hier findet immer der Abschluß der Fronleichnamsprozession statt. Hier treten auch die neugeweihten Priester zum erstenmal wieder aus dem Dom an die Öffentlichkeit. Dieser Teil des Domes ist der älteste, da an dieser Stelle im südlichen Seitenschiff bereits um 1280 der erste Altar des Domes geweiht werden konnte. Heute sind in den Fenstern der Querhausfassade die Reste des romanischen Verkündigunsgfensters eingefügt.
Nachdem wir ja jetzt noch ein wenig Zeit haben, folgen wir unserer natürlichen Neugier und betreten den Dom. Im Inneren zeigt er heute die romantischen Vorstellungen eines Ludwig I. von Bayern, der den Dom am liebsten völlig ausgeräumt hätte. Es gelang ihm nicht, da einige Ausstattungsgegenstände im Besitz des Domkapitels waren und insofern nicht entfernt werden durften. So der berühmte barocke Augsburger Silberaltar, eine Stiftung von Fürstbischof Anton Ignaz Graf von Fugger-Weißenhorn.
Im Inneren der Westfassade finden sich vier höchst interessante Steinplastiken. Der Hl. Martin und der Bettler, sowie der hl. Georg (ohne Drachen). Im Mittelalter galten diese beiden Ritterheiligen unter anderem als die Schutzheiligen von Kirchenportalen. Darunter versteckt kauern zwei Wahrzeichen von Regensburg: Der Teufel und seine Großmutter. Einer alten Legende zufolge lauern die beiden nur darauf, diejenigen mitzunehmen, die im Gottesdienst unaufmerksam waren, oder sich ungehörlich betragen haben. Einer anderen Deutung zufolge sollen sie nur einfache Varianten der typisch gotischen Dämonenplastiken sein. Aber ich finde, die Deutung des Volksmundes trifft wie immer weitaus mehr den Nagel auf den Kopf. Und ehe wir nun mitgenommen werden, verlassen wir den Dom über die Westfassade.
Die großartige Westfassade zeigt etwas von dem Bewußtsein der Regensburger, die mit diesem dem hl. Petrus geweihtem Dom nicht nur eine Kirche sondern ein steinernes Bekenntnis ihres Glaubens errichtet haben. Die beiden Domtürme je 105 m hoch wurden erst in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts errichtet. Das Eicheltürmchen in der Westfassade erinnert an die Marienkirche in Nürnberg. Anders als in der franz. Gotik befindet sich in der Westfassade keine großangelegte Rossette, sondern nur zwei große Spitzbogenfenster, die im Inneren der Kirche sichtbar die Familienheiligen der Wittelsbacher darstellen.
Gegenüber der Westfassade des Domes befindet sich das gotische Haus Heuport, das im 18. Jahrhundert umfassend umgebaut wurde. Viele gotische Reste zeigen aber auch heute noch die bewundernswerte filigrane Bildhauerkunst der Gotik. So ist im Treppenhaus eine Darstellung der Verführung einer törichten Jungfrau durch einen jungen Mann mit Apfel dargestellt. Was die Jungfrau nicht sehen kann, ist die große Schlange, die im Rücken des Mannes zu sehen ist. Diese kleine Meisterwerk dürfte wahrscheinlich auch aus der Werkstatt der Dombauhütte sein.
Vom Haus Heuport aus, sehen wir auf der Nordseite der Domfassade die kleine Stiftskirche St. Johann. In Regensburg gibt es heute noch drei große kirchliche Kapitelsstiftungen. Davon weiß der Voksmund zu berichten:
“Das Regensburger Domkapitel ist das mächtige, das Kapitel der Alten Kapelle ist das prächtige und das Kapitel von St. Johann das schmächtige”. Im Inneren dieser kleinen Kirche, die an der Stelle der ehemaligen Taufkapelle des romanischen Doms erbaut wurde, ist das Bild “zur schönen Maria” von Albrecht Altdorfer zu sehen. Um dieses Wallfahrtsbild ranken sich viele Geschichten. Mit der Wallfahrt “zur schönen Maria” ist auch die spätere Einführung der Reformation verbunden. Denn die heutige Neupfarrkirche sollte eigentlich eine große Marienwallfahrtskirche werden. Die heute sichtbare Kirche ist nur der Chorraum dieser geplanten Kirche.
Wenden wir uns nun der Kramgasse zu. Ein Blick zurück zeigt nochmals den Dom. Aber auch die interessanten Fassaden der Häuser in dieser Gasse, die direkt zur Wahlenstraße führte, wo die italienischen (die welschen) Kaufleute residierten. Ungefähr in der Mitte dieser Gasse, kreuzt eine weitere Gasse, die Tändlergasse. Hier erkennt man sehr deutlich den ehemaligen schachbrettartigen Verlauf der alten römischen Siedlung.
. In der Tändlergasse finden wir auch das Haus der Familie Blomberg. Die Tochter Barbara des begüterten Ratsherrn Blomberg sollte in die Geschichte eingehen als Mutter des illegitimen Sohnes Kaiser Karl V. – Don Juan d’Austria, des Siegers der Seeschlacht von Lepanto im Jahre 1571. Dort besiegte die christliche Armada die türkischen Seeflotte vernichtend. Grund genug, diesen Don Juan in Regensburg mit einem Bronzeabguss der Don Juan – Statue aus Messina zu ehren.
Aber halt, noch sind wir nicht am alten Rathaus, denn am barocken Anbau dieses wichtigsten weltlichen Gebäudes der alten Reichsstadt Regensburg befindet sich dieses Geschenkt Spaniens an die Stadt Regensburg.
Noch befinden wir uns an der Wegkreuzung Kramgasse – Tändlergasse und hier kann man in Höhe des ersten Stocks folgendes Relief entdecken. Warum hier dieses Relief angebracht wurde, weiß man heute nicht mehr. Vielleicht meinte man damit die Geschichte von Barbara Blomberg und dem Kaiser…..?
Auf zu den Italienern. Nicht umsonst sagt man Regensburg nach, sie sei die italienischte aller deutschen Städte. Unbestätigten Zählungen zufolge soll Regensburg heute noch mehr Haustürme besitzen als San Gimigiano. Und dann haben wir in Regensburg noch dazu das “höchste und zugleich älteste” Studentenwohnhaus der Welt. Der “Goldene Turm ” (wegen seiner vergoldeten Spitze so genannt) aus dem 13. Jahrhundert, ist in der Tat mit seinen neun Stockwerken das besterhaltene und höchste Patrizierhaus nicht nur in Regensburg, sondern nördlich der Alpen. Wer in dieses Haus einzieht das bestimmt alleine das Studentenwerk. Aber wie ich mir sagen ließ, muss es unheimlich schön in diesem alten Patrizierhaus sein. Vielleicht verhilft die Höhe des Hauses dem einen oder anderen Studenten auch zu geistigen Höhenflügen…
Dass die Regensburger alles lieben, was irgendwie groß ist, mag vielleicht daran liegen, dass die Stadt durch ihre Lage, kaum die Gelegenheit hat sich auszubreiten. Auch wenn sie offiziell die erste Großstadt nach dem Weltkrieg wurde, so ist sie doch, was ihre Ausdehnung in Nord – Südrichtung angeht eher eine kleine Stadt. jedenfalls finden sich hier noch andere große Hausburgen. So u.a. die Hausburg der Familie des ehemaligen Regensburger Bischofs Leo des Thundorfers. An die Fassade wurde um 1570 von Melchior Bocksberger die biblische Szene von David und Goliath gemalt.
Von der Wahlenstraße ist es nur noch ein Katzensprung zum ehemaligen Zentrum Europas – zum Rathausplatz. Hier im einzigartigen Reichssaal tagten von 1663 – 1806 die Reichsstände im “immerwährenden Reichstag”. Dieser Reichstag war von der Geschichtsschreibung bisher wenig beachtet und doch war er das erste deutsche Parlament und war durch die ständige Anwesenheit des kaiserlichen Prinzipalkommisärs zugleich auch das “erste europäische Parlament”. Seit 1748 waren die Vertreter des Kaisers die Fürsten von Thurn und Taxis, die Postmeister Europas.
Um Betrug durch die Regensburger Kaufmannschaft zu unterbinden, haben die weisen Stadtväter am großen Kaiserportal die drei städtischen Maße angebracht. Den “Stadtschuch”, den “Stadtklaffter” und die “Stadtölln”. Besonders am “Stadtschuch” konnte man erkennen, dass es gar nicht so einfach ist auf großem Fuss zu leben (bei einer Schuhgröße von mindestens 46!).
Jetzt müssen wir uns aber ein wenig beeilen, wenn wir noch auf den Haidplatz wollen. Vorbei an einer äußerst anrüchigen Streitgeschichte zwischen zwei Nachbarn. Der eine ließ seine Meinung über den anderen zum Spaß für die anderen sogar zu Stein werden. Ob Goethe wohl daher sein berühmtes Götzzitat genommen hat?
Vorbei an der Neuen Waag, in der sich im Mittelalter die “Herrentrinkstube” mit der großen städtischen Salzwaage befunden hat. Da dieses Gebäude den größten Saal vor der Errichtung des Reichssaals hatte, kamen auch hier bisweilen die Stände zusammen und zur Reformation fand hier auch das große theologische Streitgespräch zwischen Eck und Melanchthon statt. Jetzt sind wir also in der guten Stube Regensburgs angekommen, dem “Platz auf der Hayd”, dem Haidplatz.
Der barocke Justitiabrunnen ist Mittelpunkt des großen Haidplatzes, auf dem der Sage nach das große Turnier zwischen dem Ritter Dollinger und dem Bösewicht Krako stattgefunden hat. Zur Belustigung der Bevölkerung während des Reichstages waren hier oftmals auch Gaukler, die ihre artistischen Fähigkeiten zur Schau stellten.
Das wichtigste private Gasthaus befand sich hier ebenfalls. Das “Goldene Kreuz”. Wenn der Kaiser in Regensburg abstieg, dann hielt er sich entweder im Bischofshof auf oder hier im Goldenen Kreuz. Der Kaisersaal zeugt von dieser Tradition. Hier soll auch Barbara Blomberg ihre Liebesbegegnung mit Karl V. gehabt haben. Das Haus mit seiner fünfgeschossigen, zinnengeschlossenen Fassade und mit seinem Turm beherrscht den gesamten Platz. Jedoch kann sich ein im klassizistischen Stil umgebautes Gebäude der Übermacht erwehren. Das Thon-Dittmer-Palais wurde vom im 19. Jahrhundert vom fürsterzbischöflich – dalbergischen Hofbaumeister Emmanuel d’Herigoyen umgestaltet. Bis zur Errichtung einer neuen Feuerwache im Stadtosten befand sich hier nach dem Verkauf des Gebäudes die ehemalige Feuerwache der Stadt. Der Innenhof des Palais beherbergt den schönsten Renaissancehof Regensburgs. Im Sommer finden hier Freilichtaufführungen und Konzerte statt.
Zudem befindet sich unter den Arkaden das zweite Haus des Stadttheaters, das “Theater am Haidplatz”. Das “Neue Haus”, das Stadttheater, ein klassizistischer Bau aus dem 19. Jahrhundert, ebenfalls von d’Herigoyen errichtet steht am Bismarckplatz. Bereits im Vorgängerbau spielten so große Persönlichkeiten wie Emmanuel Schikaneder, der Textautor der “Zauberflöte”. Dem Theater gegenüber residierte die französische Gesandtschaft, deren Portikus mit sechs gewaltigen korinthischen Säulen geschmückt ist.
Wir gehen nun wieder zurück durch die Gesandtenstraße. Da in Regensburg während der Zeit des Immerwährenden Reichstages naturgemäß auch viele protestantische Gesandte wohnten, war es nur natürlich, dass man für diese auch eine Kirche errichtete. Mitten im dreißigjährigen Krieg wurde die Dreieinigkeitskirche von dem Nürnberger Architekten Johann Carl errichtet, gilt sie neben der Hofkirche in Neuburg als ältester evangelischer Kirchenbau Bayerns. An der Ost- und Südwand des Kirchenhofes sind zahlreiche prächtig ausgestattete Grabdenkmäler des 17. und 18. Jahrhunderts für Reichstagsgesandte verschiedener europäischer Länder, denen als exterritoriale Herren dieser bevorzugte Begräbnisplatz um die Kirche vorbehalten war.
Wenn wir nun über den “Ölberg” gehen, kommen wir an der alten Dominkanerhochschule vorbei, in der der große mittelalterliche Theologe und ehem. Regensburger Bischof Albertus Magnus lehrte. Weiter führt der Weg zur bedeutendsten Benediktinerabtei Regensburgs, nach St. Emmeram, der Begräbnisstätte der ersten Regensburger Bischöfe bis zum Hl. Wolfgang. In Regensburg gab es drei große Benediktinerabteien. St. Georg in Prüfening, die schottische Benediktinerabtei St. Jakob und die Abtei St. Emmeram. Diese Abtei besaß den größten Grundbesitz innerhalb der freien Reichsstadt Regensburg. Über die gotische Portalwand aus der Zeit um 1250 betritt man den kleinen Hof mit einigen bedeutenden Grabdenkmälern, so dass des Vaters der bayrischen Geschichtsschreibung, des Johannes Thurmair, genannt Aventinus. Vorbei am großen Glockenturm aus dem 16. Jahrhundert betritt man das Innere der gewaltigen Basilika St. Emmeram. Der Kirche angefügt ist ein erhöhter Westchor, mit einer bemalten Holzdecke.
Das Innere dieser Basilika wurde von den Gebrüdern Asam mit Fresken aus dem Leben des Heiligen Emmeram bemalt, die beiden Seitenchöre gestaltete Otto Gebhard aus Prüfening. In dieser Kirche wurde auch der Hl. Wolfgang, der Begründer des modernen Bistums Regensburg begraben. 976 teilte er das Bistum in zwei gleichberechtigte Bistümer Prag und Regensburg.
Wir verlassen nun das ehrwürdige Kirchengebäude und damit die ehem. Abtei, in der seit der Säkularisation die Fürsten von Thurn und Taxis wohnen und gehen am zweiten Damenstift Regensburgs, dem Obermünster vorbei zur Oberen Bachgasse. Das während der Säkularisation aufgelöste adelige Damenstift wurde während des zweiten Weltkriegs bei einem Bombenangriff auf den Bahnhof getroffen und die Kirche wurde dabei völlig zerstört. Stehen blieb als Mahnmal der Turm und die Apsis der Kirche. Über die Reste der Anbauten wurde das heutige Diözesanzentrum mit seinem Archiv errichtet. In den erhalten gebliebenen Stiftsgebäuden ist heute ein Teil des bischöflichen Ordinariates und das Diözesanmuseum untergebracht, in dem Sonderausstellungen die gesamte Bandbreite der kirchlichen Kunst bis zum heutigen Tag repräsentieren.
Vom Diözesanzentrum gehen wir nun wieder in Richtung Norden durch die Obere Bachgasse und befinden uns an einer kleinen Wegkreuzung Bachgasse – Gesandtenstrasse, Die kleine Kreuzung führt uns in nördlicher Richtung als “Untere Bachgasse ” zum Rathaus und in südlicher Richtung als “Obere Bachgasse” wieder zurück zum Emmeramsplatz. Wir wollen aber nun zum Neupfarrplatz in östlicher Richtung.
Hier am Neupfarrplatz steht sie also, die große evanglische Dekanatsstadtkirche. An der Stelle der heutigen Kirche befand sich bis 1519 das jüdische Ghetto mit seiner großen Synagoge. Albrecht Altdorfer zeichnete vor der Zerstörung der Synagoge noch das Innere. Bei Ausgrabungen in den 90er Jahren konnten Reste des alten Ghettos entdeckt werden und zudem auch die gesamten Fundamente der Synagoge. Hans Hueber aus Augsburg entwarf den 1537 vollendeten und 1542 der Stadt übergebenen Kirchenbau. Er zeigt auf interessante Weise den Übergang von Gotik zur Renaissance.
An der Stelle der Fundamente der Synagoge wurde der Neupfarrbrunnen errichtet. Bei den Ausgrabungen beschloß man den Brunnen zu verschieben, damit die Fundamente für ein großangelegtes Denkmal freibleiben könnten. Bis heute ist allerdings aus der Verwirklichung des geplanten Denkmals nichts geworden. Eigentlich typisch für die finanziellen Verhältnisse unserer Stadt. Schon zur Zeit des immerwährenden Reichstages lebte man auf großem Fusse und gab immense Summen bis zur totalen Verschuldung der Stadt aus (u.a. für das Konfekttischchen im Reichstag… denn Süßes war in Regensburg mit seinem ersten Cafèhaus nördlich der Alpen gleich gegenüber des alten Rathauses immer schon gerne gesehen und gegessen…)
Ich hoffe Ihnen hat der kleine Spaziergang durch Regensburg gefallen. Doch waren dies ja nur Bilder. Einem Besuch in dieser Stadt ist nichts vorzuziehen. Vielleicht wissen sie noch nicht, wohin Sie in diesem Jahr in den Kurzurlaub fahren? Na jetzt dürfte doch wohl alles klar sein, oder?!




