Je edler eine Sportart ist,
umso weniger hat sie Publikum
(Sigmund Graff)
Mens sana in corpore sano -
Ein gesunder Geist in einem gesunden Körper
(Juvenal)No Sports
(Winston Churchill)
Wie habe ich ihn gehasst – den Schulsport.
Kein Spaß an der Sache. Nur üben, üben, üben. Fußball, Volleyball, Basketball, dazwischen ein bisschen Bodenturnen oder an irgendwelchen Seilen rauf und runter klettern. Allein der Gedanke an diese Art von ödem Schulsport lässt mich heute noch erschauern. Und ich glaube es ist sehr vielen so ergangen wie mir. Als Brillenträger durfte ich nur “sporadisch” mitmachen, und so war es nur schwer möglich, mir wirkliche Begeisterung am Sport zu entlocken.
Erst als ich mit 12 Jahren (!) Rad fahren lernen durfte, erkannte ich meine Begabung und meine Freude am Sport. Das führte dazu, dass ich lange vor einem Jan Ullrich mit dem Radsport begann und ihn eigentlich erst mit meinem schweren Verkehrsunfall 1993 aufgegeben habe. Auch wenn in den letzten Jahren nicht nur ein Dopingschatten auf das Radfahren fiel, bin ich noch heute ein großer Fan des Radsportes. Denn die meisten Radsportler sind Idealisten und nicht auf ergaunerten Sieg aus, sondern wollen mit eigener Kraft nach oben kommen. Das nenne ich echten Sportsgeist.
Aber wie heißt es so schön: wer aufgibt gibt sich auf. Und so versuche ich mich trotz zum Teil erheblicher gesundheitlicher Probleme fit zu halten. Außerdem hat mir der Sport nach meinem Unfall auch wieder neuen Lebensmut gegeben. Heute bin ich dankbar für die Menschen, die mich damals nicht im Stich gelassen haben und die heute ein Teil meines neuen Lebens bilden.
Das kann ich im Übrigen jedem Menschen nur raten: Auch mit einem Handicap (bei mir ist es ein teilgelähmtes Bein) kann man sich fit halten und Sport treiben. Natürlich mit Maß und Ziel. Kameradschaft und Verständnis untereinander hilft zudem, so manches Handicap auszugleichen. Im Sport lernt man Menschen sehr schnell kennen und damit auch zwischen “echten, ehrlichen” Sportlern und “falschen, ruhmsüchtigen” Sportlern zu unterscheiden.
So zählt meine derzeitige Sportart sicher nicht zu denjenigen, die die meisten Zuschauer haben, aber sie ist in jedem Falle eine wirklich edle Sportart. So ist mir also meine zweite Sportart “Kendo” mittlerweile so richtig ans Herz gewachsen und ich spüre, wie gut es mir tut, mich wieder zu fordern. Da der Kreis der Kendoka in Bayern sehr klein ist, ist es mir zugleich auch eine echte Ehre einer von ihnen zu sein. Sicher, meine gesundheitlichen Schädigungen werden nicht mehr verschwinden und sie erzwingen auch so manche Trainingspause. Dennoch werde ich nicht aufgeben und einfach versuchen immer weiter zu machen. Außerdem gilt – wie auch bei den Olympischen Spielen: “DABEI SEIN IST ALLES”.




